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Ehrenamtsmesse 2022 – Nachlese

Der Vorstand der Geschichtswerkstatt

Am Samstag, den 9. Juli 2022, fand die erste Siegener Ehreamtsmesse statt. Über fünfzig von mehr als vierhundert eingetragenen Vereinen nahmen daran teil: Unter ihnen auch die Geschichtswerkstatt Siegen e.V., vertreten durch den ersten und zweiten Vorsitzenden. Sie präsentierten mit den “Siegener Beiträge[n], Jahrbuch für regionale Geschichte”, den herausragenden Schwerpunkt der ehrenamtlichen Vereinsarbeit. Die Jahrbücher besitzen einen guten Ruf und sind mittlerweile weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt.

Außerdem beteiligt sich die Geschichtswerkstatt Siegen als Mitveranstalter am “Siegener Forum”. Weiterhin konzipiert und realisiert sie  Ausstellungen zu regionalgeschichtlichen Themen. Die Präsenz des Vereins wie auch die Vermittlung der Inhalte befinden sich aktuell in der erweiterten digitalen Transformation.

Der Stand der Geschichtswerkstatt fand regen Anklang bei den Besuchern der Messe, so dass die beiden Vorsitzenden mit vielen Interessierten ins Gespräch kamen und Gelegenheit hatten, die Vereinsarbeit zu erläutern.

Silten Preis

Gabriele Silten 1939 in Amsterdam Zuid (Sammlung Silten/Lastoria e.V.)

Der bremische Geschichtsverein Lastoria e.V. bittet uns, auf den 2022 erstmals zu vergebenden Silten Preis aufmerksam zu machen. Dieser Bitte kommen wir gerne nach.

Zum Gedenken an die Berliner Holocaustüberlebende und Buchautorin R. Gabriele S. Silten, die als Kind 1938 mit ihren Eltern nach Amsterdam geflohen war, lobt der Bremer Geschichtsverein Lastoria e.V. einen Preis für Schülerinnen, Schüler und Studierende aus. Bewerben können sich Einzelpersonen und Gruppen, die sich im Jahr 2020, 2021 oder 2022 in biografischen oder anderen Projekten mit der Geschichte des Holocaust befasst und damit einen bleibenden Beitrag zur Erinnerungskultur geleistet haben.

Der erste Preis ist mit 1000 Euro dotiert, der zweite mit 500 Euro und der dritte mit 300 Euro. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Bewerbungsschluss ist am 31. März 2022. Die Namen der Preisträgerinnen und Preisträger sollen am Sonntag, 22. Mai 2022, in der niederländisch-deutschen Geschichtswerkstatt “Deutschland auf der Flucht. Exil in Amsterdam Zuid 1933-1945” in der Villa Ichon, Goetheplatz 4, in Bremen verkündet werden. Zu diesem Netzwerktreffen können sich alle anmelden, die auf diesem Gebiet forschen: Profis und Laien aus der ganzen Bundesrepublik, den Niederlanden und anderen Ländern, aus denen Verfolgte in der NS-Zeit nach Amsterdam Zuid geflohen sind. Die Teilnahme ist kostenlos, Spenden werden erbeten. Kontakt unter mail@lastoria-bremen.de.

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Heimatgeschichte

Ausgerechnet in diesen Tagen, in denen landauf, landab der nationalsozialistischen Verbrechen im Gefolge der Reichspogromnacht gedacht wird, präsentiert die selbst ernannte Heimatzeitung (SZ 6.11.2021) wieder einmal ihre eigene Sicht auf die Dinge. In einem Beitrag über das KrönchenCenter soll die Geschichte des ehemaligen Kaufhausgebäudes in einer Chronik dargestellt werden. Unter 1933 finden wir „Umbenennung in Westdeutsche Kaufhof AG, vormals L. Tietz AG“.; der Vorgang der Arisierung wird nicht erwähnt. Kein Wort darüber, dass die jüdischen Eigentümer des Kaufhauskonzerns enteignet wurden und in die USA emigrieren mussten. Kein Wort auch darüber, dass die jüdischen Mitarbeiter des Hauses im September 1934 ohne Begründung entlassen wurden. Darf man annehmen, dass diese verharmlosende Darstellung dem Redakteur mit Absicht unterlaufen ist? Bei sauberer Recherche hätte der Sachverhalt unschwer den Siegener Beiträgen (Jahrbuch 11/2006) entnommen werden können, immerhin im Hause Vorländer gedruckt. Vielleicht wären dann auch weitere Schlampigkeiten vermieden worden …

L. Burwitz

Siegener Beiträge

Titelbild des 25. Jahrbuchs “Siegener Beiträge”

Die “Siegener Beiträge” sind mit ihrem 25. Band erschienen – ein Jubiläumsband, der aus Pandemie Gründen kein Jubiläumsband werden konnte. Anderes war geplant! Mehr offenbaren wir nicht, denn unsere Ideen behalten wir uns für einen späteren Publikationstermin vor (das 50. Jahrbuch?).

Trotz aller Widrigkeiten präsentiert die Redaktion ein lesenswertes und unseren Zielen verpflichtetes Jahrbuch

Jens Friedhoff widmet sich einem zentralen Bauwerk der Stadt Siegen, in dem er erstmals den Umgang mit der Stadtmauer im 19. Jahrhundert in den Blick nimmt, wobei zeitgenössische Überlegungen zu Abriss oder Bewahrung thematisiert werden. Ursachen und Verlauf von Kulturkontakten außereuropäischer Menschen im Preußen des frühen 19. Jahrhunderts geht Katharina Jabs an drei Beispielen nach, wovon einer sich gar in der provinziellen Kleinstadt Siegen zuträgt. Aus aktuellem Anlass entstand der Beitrag von Bernd D. Plaum zur Grippepandemie vor hundert Jahren. Ausführlich und reich illustriert informiert der Artikel von Hanns Göbel zu den Kriegerdenkmalen im Oberkreis Altenkirchen nach dem Ersten Weltkrieg. Siegener Beiträge weiterlesen

Texte

Ab heute gibt es eine neue Rubrik im Internet-Auftritt der Geschichtswerkstatt Siegen e.V. mit dem einfachen Titel: Texte.

Hier werden wir in unregelmäßiger Folge Beiträge veröffentlichen, die von historischem Interesse sind. Der erste Beitrag handelt von der Grippepandemie 1918/20 im Siegerland.

Wir freuen uns auf eine zahlreiche Leserschaft und auf eine rege Diskussion.

Siegener Forum

Vortrag des Siegener Forums am 19. März 2020 muss ausfallen!

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen um den Corona-Virus bitten die Veranstalter der Vortragsreihe „Siegener Forum“ um Verständnis, dass der für den 19. März 2020 vorgesehene Vortrag, zugleich Jubiläumsveranstaltung 300 Jahre Unteres Schloss und 350 Jahre Fürstengruft in Siegen, mit Frau Elisabeth Nöhring M.A. zu den Bauprojekten von Johann Moritz Fürst zu Nassau-Siegen leider ausfallen muss. Die Organisatoren versuchen selbstverständlich, zu gegebener Zeit einen Ersatztermin zu finden.

Literatur

Heimliche Jagd
Historische Waldkonflikte: Zwei Neuerscheinungen zur Wilderei für die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe

Über Jahrhunderte wurde aufgrund exklusiver Jagd- und Forstprivilegien ein „Krieg im Wald“ ausgetragen. In vielen Phasen der Geschichte gehörten Wilderei und Holzfrevel zum Alltag. Mit Harmonie, Idylle und Romantik hatte das wenig zu tun. Es flossen Blut und viele Tränen. Zwei neue Bücher erhellen historische Waldkonflikte für das Gebiet der benachbarten Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe. Amtliche Dokumente, Zeitungsberichte, Forschungsarbeiten, heimatkundliche Texte und Hinweise auf noch unbearbeitete Quellen vermitteln den Rahmen für eine Gesamtdarstellung der Auseinandersetzungen eines halben Jahrtausends.
Die wittgensteinischen Landesherren beanspruchten für sich ein Monopol auf Waldbesitz und Jagdausübung. Doch die bäuerlichen Untertanen wollten mitnichten nur Frondienste für den adeligen Jagdkult leisten und erprobten lange vor der 1848er Revolution den Aufstand. Zuletzt erregten brutale Förstermorde und die Hinrichtung des berüchtigten Wilddiebes Johann Wagebach die öffentliche Aufmerksamkeit. Verwundete oder getötete Wilderer aus der ärmeren Klasse handelte die Tagespresse zumeist anonym in Kurzmeldungen ab. Wie im Absolutismus plädierte man für Schüsse auch auf fliehende Frevler …
Literatur weiterlesen

Siegener Forum

Das Wappen des Fürsten Johann Moritz mit Krone auf einer Scherenschnittdarstellung des Palastes Vrijburg im brasilianischen Recife (unbekannter Künstler, ca. 1642-1652). Rijksmuseum Amsterdam, Nr. NG-1053

Tobias Scheidt M.A. (Universität Siegen):

Unter der Krone des Johann Moritz von Nassau-Siegen: Koloniale Herrschaftsdemonstration und die Entstehung des Siegener Wahrzeichens

In der neuen Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ geht es am Donnerstag, den 27. Februar 2020, um das Siegerländer Identifikationssymbol schlechthin – das so genannte „Krönchen“ auf dem Turm der Nikolaikirche.

Wie kein zweites historisches Symbol steht die goldene Turmbekrönung heute sinnbildlich für Siegen und die gesamte Region. Doch wie ist die Entstehungsgeschichte dieser Ikone? Schon lange vor der Errichtung des städtischen Wahrzeichens im Jahr 1658 bediente sich der Auftraggeber Johann Moritz Fürst zu Nassau-Siegen (1604-1679) einer elaborierten Symbolik, um seinen Herrschaftsanspruch zu demonstrieren. Gestützt auf Illustrationen, Gemälde und weitere Bildquellen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts sucht der Vortrag nach den visuellen Vorläufern des Siegener Krönchens und findet sie in der Regierungszeit des Johann Moritz als Gouverneur der niederländischen Kolonie in Brasilien. Auf diese Weise werden wichtige, bislang unbekannte Bezüge und Verbindungslinien zwischen globaler, kolonialer und regionaler Geschichte herausgestellt. Siegener Forum weiterlesen

Siegener Forum

Nordostansicht auf das Obere Schloss im Jahr 1913. Stadtarchiv Siegen, Bestand 702, Fo 266

Christina Schröder M.A. (Ruhr-Universität Bochum):

Schwanger oder nicht? Das aktive Eingreifen des Herzogtums Westfalen zur Bestätigung der vermuteten Schwangerschaft der Fürstin Leopoldine zu Nassau-Siegen im Jahr 1735

In der kommenden Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ am 5. Dezember 2019 um 18.30 Uhr im Stadtarchiv Siegen wird sich die Bochumer Historikerin Christina Schröder M.A. mit einem handfesten Skandal beschäftigen, der sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Oberen Schloss zutrug und die Justiz des Heiligen Römischen Reiches beschäftigte. Die Rede ist von der fingierten Schwangerschaft der verwitweten Fürstin Leopoldine Ernestine zu Nassau-Siegen, die wenige Wochen nach dem Tod ihres Mannes Franz Hugo Fürst zu Nassau-Siegen im März 1735 behauptete, schwanger zu sein und daraufhin den Wiener Reichshofrat wissen ließ, dass die Erbfolge im katholischen Teil von Nassau-Siegen gesichert sei. Da die Ehe der beiden katholischen Hochadligen bislang kinderlos geblieben war, drohte ihr Landesteil nach dem Tod Leopoldines an die reformierte Linie des Fürstentums Nassau-Siegen zu fallen, während er durch die Geburt eines männlichen Nachkommens in katholischem Besitz geblieben wäre. Siegener Forum weiterlesen

Siegener Forum

Porträt des Autors als junger Mann: Christoph Bode im September 1969, damals einer der Schulsprecher des Jungengymnasiums. Foto: Bode 

50 Jahre Streik am Siegener Lyzeum: Und was machten die Jungs? – Professor Dr. Christoph Bode über den “heißen Herbst” 1969

Zerschlagt die Macht der Lehrer“. Diese Parole, am 25. August 1969 gesprüht auf die Fassade des Siegener Mädchengymnasium, bildete den Auftakt zum freilich erst zwei Monate später ausbrechenden Streik der Schülerinnen an diesem Bildungsinstitut. Gelesen hat den Spruch auch der damals siebzehnjährige Schüler Christoph Bode – und notiert, so wie er später auch die Ereignisse der turbulenten Oktobertage in seinem Tagebuch schriftlich festgehalten hat. Als Schülersprecher des benachbarten Jungengymnasiums ist er unmittelbarer Zeitzeuge, wenn auch, wie er selbst betont, weniger als Akteur denn als Beobachter. Nun, fünfzig Jahre nach dem bundesweit beachteten Schülerinnenstreik – „neben den Protesten gegen den NPD-Landesparteitag am 16. November 1968 das herausragende politische Ereignis der ‚1968er‘-Zeit in Siegen“ (so Bodes heutige Einschätzung) – schildert der emeritierte Professor für Anglistik an der LMU München, der auch Gastprofessor in Los Angeles und Berkeley, in Peking und Hong Kong war, die spannungsgeladenen Streiktage am Lyzeum aus der Perspektive eines sympathisierenden, aber nicht unkritischen Beobachters, stets spätere Entwicklungen mitreflektierend. Und was machten die Jungs? Wurde auch am Jungengymnasium an Streik gedacht? Wie reagierte der Schulleiter Dr. Frotscher? Was geschah wirklich auf dem Schulhof des Gymnasiums? Grundlage des Berichts bilden neben Originaldokumenten wie Flugblättern, Resolutionen, Textentwürfen und Protokollen natürlich seine Tagebuchaufzeichnungen. Diese ergänzende Perspektive auf eine außergewöhnliche Episode Siegener Stadtgeschichte kann hörbar nachvollzogen werden:

Am 12. Dezember 2019 wird Professor Dr. Christoph Bode, Autor bzw. Herausgeber von 28 Büchern und Verfasser von etwa 100 wissenschaftlichen Artikeln, der auch durch umfangreiche Vortrags- und Poetry reading-Aktivitäten hervorgetreten ist, um 18.30 Uhr im Siegener Stadtarchiv im Rahmen einer Kooperation von Stadtarchiv und Geschichtswerkstatt Siegen e.V. eine auszugsweise Lesung aus seinem spannenden Zeitzeugenbericht halten.

Vollständig zu lesen ist der faszinierend geschriebene Text dann in der neuen Ausgabe der „Siegener Beiträge – Jahrbuch für regionale Geschichte“ der Siegener Geschichtswerkstatt (Erscheinungsdatum Ende November).