Texte

Ab heute gibt es eine neue Rubrik im Internet-Auftritt der Geschichtswerkstatt Siegen e.V. mit dem einfachen Titel: Texte.

Hier werden wir in unregelmäßiger Folge Beiträge veröffentlichen, die von historischem Interesse sind. Der erste Beitrag handelt von der Grippepandemie 1918/20 im Siegerland.

Wir freuen uns auf eine zahlreiche Leserschaft und auf eine rege Diskussion.

Siegener Forum

Vortrag des Siegener Forums am 19. März 2020 muss ausfallen!

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen um den Corona-Virus bitten die Veranstalter der Vortragsreihe „Siegener Forum“ um Verständnis, dass der für den 19. März 2020 vorgesehene Vortrag, zugleich Jubiläumsveranstaltung 300 Jahre Unteres Schloss und 350 Jahre Fürstengruft in Siegen, mit Frau Elisabeth Nöhring M.A. zu den Bauprojekten von Johann Moritz Fürst zu Nassau-Siegen leider ausfallen muss. Die Organisatoren versuchen selbstverständlich, zu gegebener Zeit einen Ersatztermin zu finden.

Siegener Forum

Der Entwurf der Siegener Fürstengruft von Architekt Maurits Post aus dem Jahr 1669. Vorlage: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden Abt. 171, Nr. B 861 II.

Elisabeth Nöhring M.A.

Fürstengruft und Unteres Schloss: Zu den Bauprojekten des Johann Moritz Fürst zu Nassau-Siegen (1604-1679) in seiner Residenzstadt Siegen

In Siegen ist Johann Moritz Fürst zu Nassau-Siegen (1604-1679) nicht zuletzt deshalb bekannt, weil er der Stadt 1658 mit dem „Krönchen” auf der Nikolaikirche ihr Wahrzeichen schenkte und vor 350 Jahren eine Grablege für seine Familienangehörigen anlegen ließ – die um 1669 errichtete Fürstengruft, in der er im Jahre 1680 seine letzte Ruhestätte fand. Zeitgenössische Korrespondenzen und Pläne lassen vermuten, dass Johann Moritz Siegen zu seiner Residenzstadt machen und im Zuge dessen seinen dortigen Wohnsitz – den sogenannten Nassauer Hof im ehemaligen Franziskanerkloster, an dessen Stelle heute das Untere Schloss steht – deutlich erweitern wollte. Daher soll in der kommenden Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ am Donnerstag, den 19. März 2020, um 18.30 Uhr auch der Frage nachgegangen werden, ob der reformierte Siegener Landesherr mit seinen Planungen und Entwürfen für den Nassauer Hof bereits den Grundstein für das Untere Schloss legte. Der bebilderte Vortrag von Elisabeth Nöhring M.A. stellt den Auftakt zur einer Jubiläumsreihe zur 300jährigen Vollendung des Unteren Schlosses dar und gewährt vielfach unbekannte Einblicke in das Leben des Siegener Fürsten, darunter in seine Bauprojekte in Deutschland und in den Niederlanden. Der Fokus dabei liegt auf seinem städtebaulichen Engagement in Siegen, wo er den Grundstein für das (allerdings erst nach seinem Tod) infolge des Siegener Stadtbrands von 1695 erbaute und um 1720 vollendete Untere Schloss legte.

Der Vortrag findet statt am Donnerstag, den 19. März 2020, um 18.30 Uhr am Obergraben 25 (ehemals Bekleidungshaus Sauer), im neuen Hörsaal US-S002 der Universität Siegen, statt. Der Eintritt ist frei!

Literatur

Heimliche Jagd
Historische Waldkonflikte: Zwei Neuerscheinungen zur Wilderei für die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe

Über Jahrhunderte wurde aufgrund exklusiver Jagd- und Forstprivilegien ein „Krieg im Wald“ ausgetragen. In vielen Phasen der Geschichte gehörten Wilderei und Holzfrevel zum Alltag. Mit Harmonie, Idylle und Romantik hatte das wenig zu tun. Es flossen Blut und viele Tränen. Zwei neue Bücher erhellen historische Waldkonflikte für das Gebiet der benachbarten Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe. Amtliche Dokumente, Zeitungsberichte, Forschungsarbeiten, heimatkundliche Texte und Hinweise auf noch unbearbeitete Quellen vermitteln den Rahmen für eine Gesamtdarstellung der Auseinandersetzungen eines halben Jahrtausends.
Die wittgensteinischen Landesherren beanspruchten für sich ein Monopol auf Waldbesitz und Jagdausübung. Doch die bäuerlichen Untertanen wollten mitnichten nur Frondienste für den adeligen Jagdkult leisten und erprobten lange vor der 1848er Revolution den Aufstand. Zuletzt erregten brutale Förstermorde und die Hinrichtung des berüchtigten Wilddiebes Johann Wagebach die öffentliche Aufmerksamkeit. Verwundete oder getötete Wilderer aus der ärmeren Klasse handelte die Tagespresse zumeist anonym in Kurzmeldungen ab. Wie im Absolutismus plädierte man für Schüsse auch auf fliehende Frevler …
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Siegener Forum

Das Wappen des Fürsten Johann Moritz mit Krone auf einer Scherenschnittdarstellung des Palastes Vrijburg im brasilianischen Recife (unbekannter Künstler, ca. 1642-1652). Rijksmuseum Amsterdam, Nr. NG-1053

Tobias Scheidt M.A. (Universität Siegen):

Unter der Krone des Johann Moritz von Nassau-Siegen: Koloniale Herrschaftsdemonstration und die Entstehung des Siegener Wahrzeichens

In der neuen Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ geht es am Donnerstag, den 27. Februar 2020, um das Siegerländer Identifikationssymbol schlechthin – das so genannte „Krönchen“ auf dem Turm der Nikolaikirche.

Wie kein zweites historisches Symbol steht die goldene Turmbekrönung heute sinnbildlich für Siegen und die gesamte Region. Doch wie ist die Entstehungsgeschichte dieser Ikone? Schon lange vor der Errichtung des städtischen Wahrzeichens im Jahr 1658 bediente sich der Auftraggeber Johann Moritz Fürst zu Nassau-Siegen (1604-1679) einer elaborierten Symbolik, um seinen Herrschaftsanspruch zu demonstrieren. Gestützt auf Illustrationen, Gemälde und weitere Bildquellen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts sucht der Vortrag nach den visuellen Vorläufern des Siegener Krönchens und findet sie in der Regierungszeit des Johann Moritz als Gouverneur der niederländischen Kolonie in Brasilien. Auf diese Weise werden wichtige, bislang unbekannte Bezüge und Verbindungslinien zwischen globaler, kolonialer und regionaler Geschichte herausgestellt. Siegener Forum weiterlesen

Siegener Forum

Professor Dr. Wolfram Pyta (Universität Stuttgart):

Der politische Lebensweg des Paul von Hindenburg

Paul von Hindenburgs (1847-1934) politischer Lebensweg ist Thema eines Vortrags des Stuttgarter Historikers Professor Dr. Wolfram Pyta im Rahmen der Vortragsreihe „Siegener Forum“ am 23. Januar 2020 im KrönchenCenter.

Der als Kriegsheld gefeierte Hindenburg rückte als Reichspräsident der Weimarer Republik erneut in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Die siegreiche Schlacht bei Tannenberg des bereits pensionierten Offiziers gegen das russische Heer während des Ersten Weltkriegs begründete seinen Ruf. Damit war zugleich der Grundstein gelegt, ihn in konservativen Kreisen der Weimarer Republik als Integrationsfigur im zweiten Wahlgang um die Reichspräsidentschaft 1925 ins Rennen zu schicken. Diese Wahl gewann er ebenso wie die von 1932. Seine Amtszeit dauerte insgesamt mehr als acht Jahre, in die auch die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichkanzler am 30. Januar 1933 fiel.

Noch heute ist Hindenburg, der beispielsweise 1933 zum Ehrenbürger der Stadt Siegen und der Stadt Freudenberg ernannt wurde, durch die Bezeichnung von Straßen und Plätzen mit seinem Namen allgegenwärtig. Ob ihm diese Auszeichnung und damit eine Vorbildfunktion im öffentlichen Raum zu Recht zusteht, wird kontrovers diskutiert.

Wolfram Pyta ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität Stuttgart und Direktor der „Forschungsstelle Ludwigsburg“ zur Verbrechensgeschichte des Nationalsozialismus. Seine vielfältigen Forschungen konzentrieren sich zeitlich auf das 19. und 20. Jahrhundert und hier auf die Weimarer Republik. Seine umfassenden Kenntnisse dieses Zeitraums sind ihm sicherlich zugutegekommen bei der Abfassung zweier Biografien, deren Lebensläufe sich vor allem im besagten Zeitraum überschneiden: Hindenburg und Hitler. Daneben beschäftigt sich er sich auch mit der Sportgeschichte, namentlich dem Fußball. Empfehlenswert für alle Siegerländer Dorfgeschichtsschreiber ist sein Buch „Dorfgemeinschaft und Parteipolitik 1918–1933. Die Verschränkung von Milieu und Parteien in den protestantischen Landgebieten Deutschlands in der Weimarer Republik“ (Düsseldorf 1996), aus dem viele Anregungen und Ergebnisse für die lokalen Forschungen zu ziehen sind.

Der Vortrag über Paul von Hindenburg findet statt am Donnerstag, den 23. Januar 2020, um 18.30 Uhr im Vortragsraum des KrönchenCenters, Markt 25, 57072 Siegen (1. Etage). Der Eintritt ist frei!

Siegener Beiträge 24

Die “Siegener Beiträge” sind mit ihrem 24. Band erschienen. Das neue Jahrbuch der Geschichtswerkstatt Siegen e.V. widmet sich schwerpunktmäßig dem zeitgeschichtlichen Thema “1968” in Siegen. Dabei steht die Zahl lediglich als Chiffre für vielfältige Entwicklungen der 1960er Jahre in Politik und Gesellschaft, wie beispielsweise der Protest gegen den Vietnam-Krieg, die antiautoritäre Bewegung, die sexueller Befreiung oder der Kampf gegen die Notstandsgesetze. Inwieweit der “Geist” von 1968 auch durch Siegen wehte, versucht das Jahrbuch durch drei Artikel von Zeitzeugen einzufangen. Damit soll ein erster Anstoß gegeben werden, ein bislang unbeachtetes Thema der lokalen jüngeren Zeitgeschichte aufzuarbeiten. Siegener Beiträge 24 weiterlesen

Siegener Forum

Nordostansicht auf das Obere Schloss im Jahr 1913. Stadtarchiv Siegen, Bestand 702, Fo 266

Christina Schröder M.A. (Ruhr-Universität Bochum):

Schwanger oder nicht? Das aktive Eingreifen des Herzogtums Westfalen zur Bestätigung der vermuteten Schwangerschaft der Fürstin Leopoldine zu Nassau-Siegen im Jahr 1735

In der kommenden Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ am 5. Dezember 2019 um 18.30 Uhr im Stadtarchiv Siegen wird sich die Bochumer Historikerin Christina Schröder M.A. mit einem handfesten Skandal beschäftigen, der sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Oberen Schloss zutrug und die Justiz des Heiligen Römischen Reiches beschäftigte. Die Rede ist von der fingierten Schwangerschaft der verwitweten Fürstin Leopoldine Ernestine zu Nassau-Siegen, die wenige Wochen nach dem Tod ihres Mannes Franz Hugo Fürst zu Nassau-Siegen im März 1735 behauptete, schwanger zu sein und daraufhin den Wiener Reichshofrat wissen ließ, dass die Erbfolge im katholischen Teil von Nassau-Siegen gesichert sei. Da die Ehe der beiden katholischen Hochadligen bislang kinderlos geblieben war, drohte ihr Landesteil nach dem Tod Leopoldines an die reformierte Linie des Fürstentums Nassau-Siegen zu fallen, während er durch die Geburt eines männlichen Nachkommens in katholischem Besitz geblieben wäre. Siegener Forum weiterlesen

Siegener Forum

Porträt des Autors als junger Mann: Christoph Bode im September 1969, damals einer der Schulsprecher des Jungengymnasiums. Foto: Bode 

50 Jahre Streik am Siegener Lyzeum: Und was machten die Jungs? – Professor Dr. Christoph Bode über den “heißen Herbst” 1969

Zerschlagt die Macht der Lehrer“. Diese Parole, am 25. August 1969 gesprüht auf die Fassade des Siegener Mädchengymnasium, bildete den Auftakt zum freilich erst zwei Monate später ausbrechenden Streik der Schülerinnen an diesem Bildungsinstitut. Gelesen hat den Spruch auch der damals siebzehnjährige Schüler Christoph Bode – und notiert, so wie er später auch die Ereignisse der turbulenten Oktobertage in seinem Tagebuch schriftlich festgehalten hat. Als Schülersprecher des benachbarten Jungengymnasiums ist er unmittelbarer Zeitzeuge, wenn auch, wie er selbst betont, weniger als Akteur denn als Beobachter. Nun, fünfzig Jahre nach dem bundesweit beachteten Schülerinnenstreik – „neben den Protesten gegen den NPD-Landesparteitag am 16. November 1968 das herausragende politische Ereignis der ‚1968er‘-Zeit in Siegen“ (so Bodes heutige Einschätzung) – schildert der emeritierte Professor für Anglistik an der LMU München, der auch Gastprofessor in Los Angeles und Berkeley, in Peking und Hong Kong war, die spannungsgeladenen Streiktage am Lyzeum aus der Perspektive eines sympathisierenden, aber nicht unkritischen Beobachters, stets spätere Entwicklungen mitreflektierend. Und was machten die Jungs? Wurde auch am Jungengymnasium an Streik gedacht? Wie reagierte der Schulleiter Dr. Frotscher? Was geschah wirklich auf dem Schulhof des Gymnasiums? Grundlage des Berichts bilden neben Originaldokumenten wie Flugblättern, Resolutionen, Textentwürfen und Protokollen natürlich seine Tagebuchaufzeichnungen. Diese ergänzende Perspektive auf eine außergewöhnliche Episode Siegener Stadtgeschichte kann hörbar nachvollzogen werden:

Am 12. Dezember 2019 wird Professor Dr. Christoph Bode, Autor bzw. Herausgeber von 28 Büchern und Verfasser von etwa 100 wissenschaftlichen Artikeln, der auch durch umfangreiche Vortrags- und Poetry reading-Aktivitäten hervorgetreten ist, um 18.30 Uhr im Siegener Stadtarchiv im Rahmen einer Kooperation von Stadtarchiv und Geschichtswerkstatt Siegen e.V. eine auszugsweise Lesung aus seinem spannenden Zeitzeugenbericht halten.

Vollständig zu lesen ist der faszinierend geschriebene Text dann in der neuen Ausgabe der „Siegener Beiträge – Jahrbuch für regionale Geschichte“ der Siegener Geschichtswerkstatt (Erscheinungsdatum Ende November).

Siegener Forum

Die Autorin Erika Mann um 1938 (Vorlage: Dr. Jürgen Nelles)

Dr. Jürgen Nelles, Bonn

Der „weibliche“ Blick auf das Dritte Reich

In der neuen Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ geht es am Donnerstag, den 19. September 2019, um die literarischen Werke deutscher Exil-Autorinnen zwischen 1933 und 1945.

Der bebilderte Vortrag rückte christliche und jüdische Autorinnen in den Mittelpunkt, die bereits vor 1933, in der Weimarer Zeit, schriftstellerische Erfolge feiern konnten, darunter Irmgard Keun („Das kunstseidene Mädchen“), Else Lasker-Schüler („Theben“), Nelly Sachs („Legenden und Erzählungen“), Anna Seghers („Aufstand der Fischer“) oder auch Erika Mann, die Gründerin des berühmten Kabaretts „Die Pfeffermühle“. Die genannten, aber auch einige hier ungenannte, Autorinnen haben zudem nach ihrer Flucht oder Vertreibung aus Nazi-Deutschland in ihrem Exil wichtige lyrische und erzählerische Texte über ihr verlorenes Heimatland geschrieben: Keun („Nach Mitternacht“) ebenso wie Lasker-Schüler („Das blaue Klavier“), Erika Mann („Zehn Millionen Kinder“) oder Anna Seghers („Das siebte Kreuz“). Der „weibliche“ Blick auf das Dritte Reich fördert Erkenntnisse zutage, die im Rahmen der heute (mehr denn je) notwendigen Erinnerungskultur von geradezu aktueller Brisanz und akuter Relevanz zu sein scheinen. 

Der Referent Dr. Jürgen Nelles hat Germanistik, Philosophie und Pädagogik studiert. Nach seiner Promotion mit der Dissertation „Denkspiele der Poesie“ über den Hörspielmacher und Schriftsteller Paul Wühr im Jahr 1990 folgte eine Assistenzzeit an der Fernuniversität Hagen und im Jahr 2000 seine Habilitation an der Universität Bonn mit einer Studie über das Medium Buch in den Romanen des 18. und 19. Jahrhunderts. Zuletzt publizierte er ein umfangreiches Werk über den deutsch-israelischen Dichter und Holocaust-Überlebenden Tuvia Rübner. Dr. Nelles, der für zahlreiche Bildungseinrichtungen und Kulturinstitute als Referent aktiv ist, lebt und lehrt in Bonn.

Der Vortrag findet statt am Donnerstag, den 19. September 2019, um 18.30 Uhr im Gruppenarbeitsraum des Stadtarchivs Siegen, Markt 25, 57072 Siegen (KrönchenCenter, 3. Obergeschoss.). Der Eintrittspreis beträgt 3,00 Euro.