Schlagwort-Archive: Siegen

Literatur

Eine weltweite Familie: Die Sprachenschule Siegerland des Dr. Adolf Bode“

Titelbild

Aufgrund des außergewöhnlichen Erfolgs des Sonderbandes von 2020 hat sich die Geschichtswerkstatt Siegen e.V. gemeinsam mit dem Herausgeber Professor Dr. Christoph Bode entschlossen, eine zweite Auflage zu erstellen. Die Publikation war bereits wenige Wochen nach ihrem Erscheinen vergriffen und wurde seitdem immer wieder nachgefragt. Nun erscheint diese, lediglich um ein aktuelles Vorwort des Herausgebers erweitert, unverändert im bekannten Erscheinungsbild.

Dr. Adolf Bode, soeben aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, gründete im September 1945 die „Sprachenschule Siegerland“. Diese private Fremdsprachenschule war nicht nur für das Siegerland, sondern für ganz Deutschland einmalig: An ihr konnte man Sprachen wie Englisch und Französisch, Italienisch, Spanisch, Russisch aber auch Japanisch neu lernen oder die vorhandenen Fremdsprachenkenntnisse auffrischen und erweitern. Das Alleinstellungsmerkmal der Schule bestand darin, dass sie die erste und einzige Fremdsprachenschule für die zunehmend exportorientierte regionale Eisen- und Stahlindustrie wurde.

Dr. Adolf Bode

Der Sonderband der Geschichtswerkstatt zeichnet die Entstehung und Entwicklung dieser einmaligen Bildungsinstitution nach. Verfasst wurde das Manuskript von Dr. Bodes Ehefrau und unermüdlichen Mitarbeiterin, der 2012 verstorbenen Ute Bode. Herausgeber der Publikation ist Prof. em. Dr. Christoph Bode, Sohn von Adolf und Ute Bode, der diese Besonderheit der Lokal- und Regionalgeschichtsschreibung mit zahlreichen Anmerkungen sowie mit einem Vor- und Nachwort versehen hat. Eine Kostbarkeit insofern, als hier den Lesern konkret, faktenreich und lebendig Wirtschaft und Bildung in den Jahrzehnten der Nachkriegszeit nahegebracht werden.

Darüber hinaus bietet das Werk zugleich ein Porträt des Schulgründers, der 1984 für seine Lebensleistung mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Bis heute ist die Sprachenschule im kollektiven Gedächtnis der Siegerländer Bevölkerung haften geblieben.

Preis: 15,00 € Erhältlich in allen Buchhandlungen; Bestellungen über die Homepage der Geschichtswerkstatt Siegen e.V.: geschichtswerkstatt-siegen.de

Siegener Forum

Leander Wilhelm Kühn B.Sc. (Siegen): Die frühe Geschichte Siegens. Alte Befunde und neue Erkenntnisse – der aktuelle Stand der Forschung

In der kommenden Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ wird Leander Wilhelm Kühn am 17. November 2022 den aktuellen Stand der archäologischen Erforschung der Siegener Stadtgeschichte vorstellen.

Die historischen Anfänge der Stadt Siegen stellen eine zentrale Frage in der Siegerländer Heimatforschung dar, welche zunächst unter Heranziehung historischer Quellen, später von Bodenfunden nachgegangen wurde.

Der Vortrag stellt den aktuellen Kenntnisstand dar und bezieht auch bisher noch uninterpretierte Befunde und Funde ein, aus denen in den letzten Jahren unter Anwendung geoarchäologischer Datierungsmethoden neue Erkenntnisse etwa über die Martinikirche als den ältesten Kirchenbau der Stadt generiert werden konnten. So lädt der Vortrag zu einem Gang durch die Geschichte Siegens im Frühmittelalter, wie sie sich der heutigen Forschung aus den nur wenigen Anhaltspunkten darstellt, bis ins Hochmittelalter ein, dessen zur Verfügung stehende Textquellen die Geschichte der „Krönchenstadt“ weiter zu erhellen vermögen.

Leander Wilhelm Kühn legte 2020 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn eine Arbeit zu dem Thema „Archäometrische Untersuchung des Bodenmosaiks der Martinikirche zu Siegen“ vor, die er mit dem akademischen Grad Bachelor of Science abschloss. Seit 2018 ist der Referent zudem Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und seit 2022 wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität Bonn.

Der Vortrag findet statt am Donnerstag, den 17. November 2022, um 18.30 Uhr im Eintrachtsaal der Siegerlandhalle (Einlass ab 18.00 Uhr). Der Eintritt ist frei!

Literatur

Siegener Beiträge 26 / 2021

Das neue Jahrbuch der Geschichtswerkstatt Siegen ist erschienen. Der 26. Band für das Jahr 2021 kommt frisch aus der Druckerei und präsentiert auf knapp 200 Seiten wieder interessante Artikel zur regionalen Geschichte. Jens Friedhoff beschäftigt sich mit der Altenkirchener Stadtmauer und Christian Brachthäuser mit der Bau- und Kulturgeschichte des Siegener Ballhauses. Bernd D. Plaum ist mit mehreren Beiträgen im Jahrbuch vertreten. Zunächst widmet er sich der Impfkampagne um 1800 im Fürstentum Nassau-Siegen, zeichnet die Geschichte des Fickenhütter Gast- und Badehauses von Tilmann Jakob Jüngst nach, und ordnet die Selbstzeugnisse des Weidenauer Maschinenbauunternehmens Schleifenbaum & Steinmetz als Bausteine einer Unternehmensgeschichte ein. Eine zeitgenössische Beschreibung Siegens und des Siegerlandes im Großherzogtum Berg runden den Aufsatzteil ab. Wie üblich schließt sich daran der Rezessionsteil an.

Der Band kann ab sofort für Euro 15,00 bei der Geschichtswerkstatt (info@geschichtswerkstatt-siegen.de) oder etwas später in allen gut bestückten Buchhandlungen erworben werden.

Literatur

Christian Brachthäuser

Vergangene Fürstenpracht – Die Geschichte des Herrengartens in Siegen

Das Strukturförderprojekt Herrengarten mit der Umgestaltung des geschichtsträchtigen Terrains zu einer öffentlichen Grünanlage am Siegufer haben den einstigen Lustgarten des Fürsten Johann Moritz zu Nassau-Siegen (1604-1679) wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Der Autor zeichnet in seinem Buch die historischen Hintergründe des ehemals von Johann Moritz geschaffenen Schlossgartens nach. Dessen Konzeption und Umsetzung fand nach seiner Rückkehr aus Brasilien statt. Darin drückt sich sein Wirken als Global Player ebenso aus wie seine Vorliebe für einen Stilmix aus Orangeriekultur, barockes Gartendesign und antiken Gestaltungselementen. Damit schuf er eine Miniaturausgabe der sagenhaften „Gärten der Hesperiden“ mit blühenden Zitrusgewächsen und antiken Stilelementen. Dabei ließ er sich auch von gartenarchitektonischen Eindrücken aus den Niederlanden inspirieren.  „Im Zeitalter des aufkommenden Absolutismus sollte der Siegener Herrengarten zum Amüsement der Hofgesellschaft, aber auch zur Präsentation fürstlicher Herrschertugenden und künstlerischer Extravaganz dienen“, so Brachthäuser. Der am Flussufer der Sieg modellierte Garten war eine Symbiose von Machtdemonstration, Selbstinszenierung und landschaftsarchitektonischer Innovationskraft, der das Ansehen von Johann Moritz angesichts der Konkurrenz zur katholischen Verwandtschaft im Oberen Schloss heben und das Renommee Siegens als Residenzstadt nach den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs aufwerten sollte. Literatur weiterlesen

Siegener Forum

Eine belgische Panzerkolonne in der Siegener Innenstadt. Fotograf: Horstgünter Simon

PD Dr. Christian Henrich-Franke (Siegen): Von Besatzern zu Freunden? – Die belgische Garnison in Siegen

Vom Eintreffen der ersten belgischen Soldaten am 11. November 1946 bis zum finalen Abschließen des letzten Kasernentors auf dem Wellersberg am 22. Dezember 1994 vergingen fast fünf Jahrzehnte, in denen die Krönchenstadt Teil einer umfassenden belgischen Militärpräsenz in Rheinland und Westfalen gewesen war. Die Belgier kamen nach dem Zweiten Weltkrieg als Besatzungsmacht im Rahmen der britischen Besatzungszone in Siegen an und verließen die Stadt nach dem Ende des Kalten Kriegs und der Deutschen Einheit als langjähriger NATO-Partner. Die Jahre ihrer Anwesenheit waren geprägt von den Spannungen des Kalten Kriegs, der Annäherung im Zuge Europäischer Integration aber eben auch vom pragmatischen Neben- und Miteinander einheimischer Bevölkerung und belgischer Soldaten an den vielen Militärstandorten. Immerhin waren alleine in Siegen permanent 4.000 bis 6.000 belgische Soldaten und ihre Angehörigen präsent. Siegener Forum weiterlesen

Heimatgeschichte

Ausgerechnet in diesen Tagen, in denen landauf, landab der nationalsozialistischen Verbrechen im Gefolge der Reichspogromnacht gedacht wird, präsentiert die selbst ernannte Heimatzeitung (SZ 6.11.2021) wieder einmal ihre eigene Sicht auf die Dinge. In einem Beitrag über das KrönchenCenter soll die Geschichte des ehemaligen Kaufhausgebäudes in einer Chronik dargestellt werden. Unter 1933 finden wir „Umbenennung in Westdeutsche Kaufhof AG, vormals L. Tietz AG“.; der Vorgang der Arisierung wird nicht erwähnt. Kein Wort darüber, dass die jüdischen Eigentümer des Kaufhauskonzerns enteignet wurden und in die USA emigrieren mussten. Kein Wort auch darüber, dass die jüdischen Mitarbeiter des Hauses im September 1934 ohne Begründung entlassen wurden. Darf man annehmen, dass diese verharmlosende Darstellung dem Redakteur mit Absicht unterlaufen ist? Bei sauberer Recherche hätte der Sachverhalt unschwer den Siegener Beiträgen (Jahrbuch 11/2006) entnommen werden können, immerhin im Hause Vorländer gedruckt. Vielleicht wären dann auch weitere Schlampigkeiten vermieden worden …

L. Burwitz

Siegener Forum

Jakob Saß (Potsdam): Der Fall Adolf Haas: Warum die Nachkriegsjustiz bei der Strafverfolgung des verschwundenen KZ-Kommandanten scheiterte

Buchcover

Dem erfolglosen, in Siegen geborenen Bäcker Adolf Haas bot die SS alles, was er wollte: Karriere, Macht, Wohlstand und Affären. Dafür war er zu allem bereit, auch zum Massenmord. 3026 Menschen starben nachweislich unter ihm als KZ-Kommandant der Lager Niederhagen/Wewelsburg (1940-1943) und Bergen-Belsen (1943-1944). Vor Gericht musste sich Adolf Haas jedoch nie verantworten.

Der Berliner Zeithistoriker Jakob Saß stellt am Donnerstag, den 21. Oktober 2021, um 18.30 Uhr im Atriumsaal der Siegerlandhalle seine aktuelle Buchveröffentlichung „Gewalt, Gier und Gnade. Der KZ-Kommandant Adolf Haas und sein Weg nach Wewelsburg und Bergen-Belsen“ vor. In der neuen Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ blickt er hinter die Fassade des Massenmörders, der kurz vor Kriegsende spurlos verschwand und den bundesdeutsche Behörden jahrzehntelang nicht finden konnten – oder wollten. Die ernüchternde Strafverfolgung von Haas vergleicht Jakob Saß mit ähnlichen Verfahren am Landgericht Siegen. Siegener Forum weiterlesen

Siegener Forum

Christian Brachthäuser (Stadtarchiv Siegen)

„Inventarium dero Closterbücher so zu Siegen“. Vorlage: Christian Brachthäuser

Inventarium dero Closterbücher so zu Siegen“ – Die verschollene Bibliothek des Siegener Franziskanerklosters

Sie gehören sicherlich zu den unbekannten Kapiteln der spätmittelalterlichen Geschichte und Klosterkultur Siegens: gemeint sind Bibliothek und Lebenswelten der Franziskaner mit ihrer bislang unbekannten Sammlung wertvoller Traktate, Predigttexte, Bibelkommentare und wissenschaftlicher Schriften.

Nur wenige Quellen zur Geschichte der Siegener „Barfüßer“, wie die Mönche wegen ihres strengen Armutsideals auch bezeichnet werden, sind erhalten geblieben. Umso bemerkenswerter erscheint der Fund, den Christian Brachthäuser im Königlich Niederländischen Hausarchiv in Den Haag gemacht hat. In der neuen Ausgabe des „Siegener Forums“ am Donnerstag, den 9. Mai 2019, um 18.30 Uhr im Stadtarchiv Siegen wird das „Inventarium dero Closterbücher so zu Siegen“ erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. „Es handelt sich um ein bislang unausgewertetes Verzeichnis aus dem Jahr 1591. In einer Art Bestandsaufnahme wurden sämtliche Bücher, die sich damals noch im Oberen Schloss befanden, aufgelistet. Ein solches Dokument liefert wertvolle Erkenntnisse über die kirchengeschichtlichen, religiösen und naturphilosophischen Studien der Mönche. Besonders im Hinblick darauf, welche theologischen Inhalte der Siegener Bevölkerung vor der Reformation vermittelt wurden“, so der Mitarbeiter des Stadtarchivs Siegen. Insofern gestattet das Buchinventar aufschlussreiche Einblicke hinter die Kulissen des Siegener Klosters und der geistigen Vitalität zwischen mittelalterlicher Scholastik und frühneuzeitlichem Humanismus. Dies verdient vor allem Erwähnung, weil Siegerländer Heimathistoriker noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts glaubten, die Ordensbrüder hätten vor ihrer Ausweisung aus Siegen im Jahr 1534 den größten Teil ihrer Büchersammlung heimlich, still und leise weggeschafft und daher einen nur unbedeutenden Beitrag zum religiösen Leben in Siegen geleistet. „Genau das Gegenteil aber scheint der Fall gewesen zu sein. Vergleiche mit anderen Konventen legen sogar den Schluss nahe, dass die Franziskaner wegen ihres karitativen Engagements, ihres seelsorgerischen Beistands und ihren volksnahen Predigten auch von der Bevölkerung Siegens sehr geschätzt wurden“, so Brachthäuser. Was aber geschah nach der Inventarisierung der Bücher im Jahr 1591? Wurden sie in Teilen veräußert oder entsorgt?

Der Vortrag erläutert einführend die Gründung des Franziskanerklosters Ende des 15. Jahrhunderts, stellt Aspekte religiöser Buchkultur der damaligen Zeit vor und versucht danach das Schicksal der Siegener Klosterbibliothek nachzuzeichnen.

Die Vortragsreihe „Siegener Forum“ ist eine Kooperation von Volkshochschule und Stadtarchiv Siegen, Geschichtswerkstatt Siegen e.V., Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e.V. und Aktivem Museum Südwestfalen e.V.

Der Vortrag findet statt am Donnerstag, den 9. Mai  2019, um 18.30 Uhr im Gruppenarbeitsraum des Stadtarchivs Siegen, Markt 25, 57072 Siegen (KrönchenCenter, 3. Obergeschoss.). Der Eintrittspreis beträgt 3,00 Euro.

Siegener Forum

Der 1686/87 errichtete Pavillonturm des Oberen Schlosses. Vorlage: Dr. Jens Friedhoff, 2014.

Dr. Jens Friedhoff (Stadtarchiv Hachenburg):

Das Obere Schloss als nassauische Landesburg und Residenz: Baugeschichte im Spiegel archäologischer und archivalischer Funde

In der neuen Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ wird der Burgenhistoriker Dr. Jens Friedhoff am 6. Dezember 2018 um 18.30 Uhr im Stadtarchiv Siegen die Erbauung und architektonische Ausgestaltung des Oberen Schlosses vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert nachzeichnen.

Bis heute prägt das auf der Spitze des Siegbergs gelegene Obere Schloss mit den Türmen der Nikolai- und der Marienkirche sowie mit dem sogenannten „Dicken Turm“ des Unteren Schlosses und der Martinikirche die Silhouette Siegens. Die weitläufige Burg- beziehungsweise Schlossanlage weist einen Baubestand auf, der zeitlich vom frühen 13. Jahrhundert bis in das beginnende 20. Jahrhundert reicht. Dabei spiegeln die mächtigen Außenanlagen die Entwicklung der Festungsbaukunst vom Spätmittelalter bis zur Barockzeit wider. Wohl um 1200 als Höhenburg gegründet, wurde das Schloss zu Beginn des 17. Jahrhunderts zur Residenz der katholischen Dynastie des 1652 in den Reichsfürstenstand erhobenen Hauses Nassau-Siegen. Ungeachtet seiner herausragenden stadt-, regional- und landesgeschichtlichen Bedeutung hat die Forschung dem Oberen Schloss bislang jedoch nur vergleichsweise wenig Beachtung geschenkt. Der Referent wird an diesem Abend wichtige Stationen der baulichen Entwicklung erörtern. Im Fokus des Vortrags mit Bildpräsentationen stehen archäologischer Befunde sowie bislang kaum beachtete Schrift- und Bildquellen in Archiven.

Siegener Forum weiterlesen

Fundstück: Integration durch Karneval?

Bürgergesellschaft, Stadtarchiv Siegen, Bestand Fotosammlung

1912 beging der Siegener Bezirksverein des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) in der Karnevalszeit sein alljährliches «Winterfest» in der Bürgergesellschaft in Siegen. Bemerkenswert daran waren die Vorgaben, die den Mitgliedern und ihren Angehörigen zu diesem Fest gemacht wurden. In der Rahmenhandlung eines Jahrmarktes sollten die teilnehmenden Damen und Herren vornehmlich in Siegerländer Trachten wie Bauer und Bäuerin, Handwerker oder Berg- und Hüttenmann erscheinen. Ihnen stand es aber auch frei als Sommerfrischler, als Künstler und Wandervogel, als Student oder Urlauber an dem Siegener «Jahrmarkt» teilzunehmen.

Siegener Zeitung v. 3.2.1912

Was bewog den VDI dazu, diese Vorgaben zu machen, um für die Teilnehmer «Amüsement» und «fröhliche Srunden» zu erzielen. Verband der VDI damit für seine zumeist zugereisten Mitglieder zugleich das hintersinnige Ziel, sich den aus ihrer Sicht «exotischen Einheimischen» auf «spielerische» Weise anzunähern. Schlüpften die Teilnehmer durch Verkleidung in eine für sie fremde Rolle und lebten sie diese für einige Stunden auf dem Feste aus? Oder bestand das «Amüsement» gerade darin, die kulturellen Unterschiede zwischen «Siegerländern» und dem als solchen verkleideten Zugereisten noch stärker zu betonen und die Differenzen hervorzuheben?

Antworten auf diese Fragen werden wir wohl nie erhalten. Die Geschichte des VDI ist lückenhaft und nur durch wenige eigene Quellen belegbar. Vielleicht gibt es neben den Zeitungsmeldungen mit den Ankündigungen zu den offiziellen Veranstaltungen wie Jahresversammlungen und Vorträgen oder den Stiftungs- und sonstigen Festen (s.o.) noch private Aufzeichnungen, die bislang für eine Geschichte des VDI nicht genutzt worden sind. Derartige alljährliche festliche Aktivitäten waren stets neben den «offiziellen» Vereinsterminen integrale Bestandteile des Vereinslebens und damit der Geschichte des VDI.

Bernd D. Plaum