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Siegener Forum

Jakob Saß (Potsdam): Der Fall Adolf Haas: Warum die Nachkriegsjustiz bei der Strafverfolgung des verschwundenen KZ-Kommandanten scheiterte

Buchcover

Dem erfolglosen, in Siegen geborenen Bäcker Adolf Haas bot die SS alles, was er wollte: Karriere, Macht, Wohlstand und Affären. Dafür war er zu allem bereit, auch zum Massenmord. 3026 Menschen starben nachweislich unter ihm als KZ-Kommandant der Lager Niederhagen/Wewelsburg (1940-1943) und Bergen-Belsen (1943-1944). Vor Gericht musste sich Adolf Haas jedoch nie verantworten.

Der Berliner Zeithistoriker Jakob Saß stellt am Donnerstag, den 21. Oktober 2021, um 18.30 Uhr im Atriumsaal der Siegerlandhalle seine aktuelle Buchveröffentlichung „Gewalt, Gier und Gnade. Der KZ-Kommandant Adolf Haas und sein Weg nach Wewelsburg und Bergen-Belsen“ vor. In der neuen Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ blickt er hinter die Fassade des Massenmörders, der kurz vor Kriegsende spurlos verschwand und den bundesdeutsche Behörden jahrzehntelang nicht finden konnten – oder wollten. Die ernüchternde Strafverfolgung von Haas vergleicht Jakob Saß mit ähnlichen Verfahren am Landgericht Siegen. Siegener Forum weiterlesen

Siegener Forum

Don Miguel de Castro, kongolesischer Botschafter, Circa 1643, Vorlage: Nationalmuseum Kopenhagen

Tobias Scheidt M.A. (Siegen): Johann Moritz und João Mina: Die Beteiligung des „Brasilianers“ im System der transatlantischen Sklaverei

Mit dem Start in das Vortragsjahr 2021/22 findet die kommende Ausgabe der Reihe „Siegener Forum“ am Donnerstag, den 16. September 2021, um 18.30 Uhr in der „Galerie zum Park“ der Siegerlandhalle statt. Tobias Scheidt M.A. wird sich mit einem ebenso kontroversen wie aktuellen Thema auseinandersetzen – der Beteiligung von Johann Moritz Fürst zu Nassau-Siegen (1604-1679) am Sklavenhandel und Kolonialismus im 17. Jahrhundert.

Von 1636 bis 1644 regierte Johann Moritz als General-Gouverneur eine niederländische Kolonie im Nordosten Brasiliens, die ihre wirtschaftliche Bedeutung im Wesentlichen aus dem Anbau von Zuckerrohr bezog. Die Grundlage der Plantagenwirtschaft bildete die Arbeitskraft versklavter Afrikanerinnen und Afrikaner. João Mina war einer dieser Arbeitssklaven, die durch den transatlantischen Menschenhandel zu Tausenden nach Brasilien verschleppt wurden, aber für die moderne Geschichtswissenschaft zumeist namenlos bleiben. Dennoch sind exemplarische Annäherungen an die Erfahrungen dieser Menschen möglich, zeichnen doch historische Dokumente aus der Hand von Kolonialbediensteten, Soldaten, Malern und auch Johann Moritz selbst ein Bild der brasilianischen Lebenswelten und der ihnen zugrunde liegenden Mentalitäten. Der Vortrag ergründet die Bedeutung und Beteiligung von Johann Moritz in diesem System von Zuckerproduktion und Menschenhandel und verortet sie im Kontext der europäischen kolonialen Expansion des 17. Jahrhunderts.

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Siegener Beiträge

Titelbild des 25. Jahrbuchs “Siegener Beiträge”

Die “Siegener Beiträge” sind mit ihrem 25. Band erschienen – ein Jubiläumsband, der aus Pandemie Gründen kein Jubiläumsband werden konnte. Anderes war geplant! Mehr offenbaren wir nicht, denn unsere Ideen behalten wir uns für einen späteren Publikationstermin vor (das 50. Jahrbuch?).

Trotz aller Widrigkeiten präsentiert die Redaktion ein lesenswertes und unseren Zielen verpflichtetes Jahrbuch

Jens Friedhoff widmet sich einem zentralen Bauwerk der Stadt Siegen, in dem er erstmals den Umgang mit der Stadtmauer im 19. Jahrhundert in den Blick nimmt, wobei zeitgenössische Überlegungen zu Abriss oder Bewahrung thematisiert werden. Ursachen und Verlauf von Kulturkontakten außereuropäischer Menschen im Preußen des frühen 19. Jahrhunderts geht Katharina Jabs an drei Beispielen nach, wovon einer sich gar in der provinziellen Kleinstadt Siegen zuträgt. Aus aktuellem Anlass entstand der Beitrag von Bernd D. Plaum zur Grippepandemie vor hundert Jahren. Ausführlich und reich illustriert informiert der Artikel von Hanns Göbel zu den Kriegerdenkmalen im Oberkreis Altenkirchen nach dem Ersten Weltkrieg. Siegener Beiträge weiterlesen

„Eine weltweite Familie: Die Sprachenschule Siegerland des Dr. Adolf Bode“

Vergriffen

Neuerscheinung der Geschichtswerkstatt Siegen e.V.: Sonderband 2020

Im September 1945 – also vor fast exakt 75 Jahren – gründete Dr. Adolf Bode, soeben erst aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, die „Sprachenschule Siegerland“. Diese private Fremdsprachenschule war nicht nur für das Siegerland, sondern für ganz Deutschland einmalig: Denn an ihr konnte man nicht nur in Abendkursen Sprachen neu lernen oder Fremdsprachenkenntnisse auffrischen oder erweitern – sei es nun in Englisch und Französisch, in Italienisch, Spanisch, Russisch oder Japanisch. Alleinstellungsmerkmal der Schule war vielmehr, dass sie die erste und einzige Fremdsprachenschule für die die Region Siegerland damals prägende Eisen- und Stahlindustrie war.

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Texte

Ab heute gibt es eine neue Rubrik im Internet-Auftritt der Geschichtswerkstatt Siegen e.V. mit dem einfachen Titel: Texte.

Hier werden wir in unregelmäßiger Folge Beiträge veröffentlichen, die von historischem Interesse sind. Der erste Beitrag handelt von der Grippepandemie 1918/20 im Siegerland.

Wir freuen uns auf eine zahlreiche Leserschaft und auf eine rege Diskussion.

Siegener Forum

Vortrag des Siegener Forums am 19. März 2020 muss ausfallen!

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen um den Corona-Virus bitten die Veranstalter der Vortragsreihe „Siegener Forum“ um Verständnis, dass der für den 19. März 2020 vorgesehene Vortrag, zugleich Jubiläumsveranstaltung 300 Jahre Unteres Schloss und 350 Jahre Fürstengruft in Siegen, mit Frau Elisabeth Nöhring M.A. zu den Bauprojekten von Johann Moritz Fürst zu Nassau-Siegen leider ausfallen muss. Die Organisatoren versuchen selbstverständlich, zu gegebener Zeit einen Ersatztermin zu finden.

Siegener Forum

Der Entwurf der Siegener Fürstengruft von Architekt Maurits Post aus dem Jahr 1669. Vorlage: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden Abt. 171, Nr. B 861 II.

Elisabeth Nöhring M.A.

Fürstengruft und Unteres Schloss: Zu den Bauprojekten des Johann Moritz Fürst zu Nassau-Siegen (1604-1679) in seiner Residenzstadt Siegen

In Siegen ist Johann Moritz Fürst zu Nassau-Siegen (1604-1679) nicht zuletzt deshalb bekannt, weil er der Stadt 1658 mit dem „Krönchen” auf der Nikolaikirche ihr Wahrzeichen schenkte und vor 350 Jahren eine Grablege für seine Familienangehörigen anlegen ließ – die um 1669 errichtete Fürstengruft, in der er im Jahre 1680 seine letzte Ruhestätte fand. Zeitgenössische Korrespondenzen und Pläne lassen vermuten, dass Johann Moritz Siegen zu seiner Residenzstadt machen und im Zuge dessen seinen dortigen Wohnsitz – den sogenannten Nassauer Hof im ehemaligen Franziskanerkloster, an dessen Stelle heute das Untere Schloss steht – deutlich erweitern wollte. Daher soll in der kommenden Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ am Donnerstag, den 19. März 2020, um 18.30 Uhr auch der Frage nachgegangen werden, ob der reformierte Siegener Landesherr mit seinen Planungen und Entwürfen für den Nassauer Hof bereits den Grundstein für das Untere Schloss legte. Der bebilderte Vortrag von Elisabeth Nöhring M.A. stellt den Auftakt zur einer Jubiläumsreihe zur 300jährigen Vollendung des Unteren Schlosses dar und gewährt vielfach unbekannte Einblicke in das Leben des Siegener Fürsten, darunter in seine Bauprojekte in Deutschland und in den Niederlanden. Der Fokus dabei liegt auf seinem städtebaulichen Engagement in Siegen, wo er den Grundstein für das (allerdings erst nach seinem Tod) infolge des Siegener Stadtbrands von 1695 erbaute und um 1720 vollendete Untere Schloss legte.

Der Vortrag findet statt am Donnerstag, den 19. März 2020, um 18.30 Uhr am Obergraben 25 (ehemals Bekleidungshaus Sauer), im neuen Hörsaal US-S002 der Universität Siegen, statt. Der Eintritt ist frei!

Literatur

Heimliche Jagd
Historische Waldkonflikte: Zwei Neuerscheinungen zur Wilderei für die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe

Über Jahrhunderte wurde aufgrund exklusiver Jagd- und Forstprivilegien ein „Krieg im Wald“ ausgetragen. In vielen Phasen der Geschichte gehörten Wilderei und Holzfrevel zum Alltag. Mit Harmonie, Idylle und Romantik hatte das wenig zu tun. Es flossen Blut und viele Tränen. Zwei neue Bücher erhellen historische Waldkonflikte für das Gebiet der benachbarten Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe. Amtliche Dokumente, Zeitungsberichte, Forschungsarbeiten, heimatkundliche Texte und Hinweise auf noch unbearbeitete Quellen vermitteln den Rahmen für eine Gesamtdarstellung der Auseinandersetzungen eines halben Jahrtausends.
Die wittgensteinischen Landesherren beanspruchten für sich ein Monopol auf Waldbesitz und Jagdausübung. Doch die bäuerlichen Untertanen wollten mitnichten nur Frondienste für den adeligen Jagdkult leisten und erprobten lange vor der 1848er Revolution den Aufstand. Zuletzt erregten brutale Förstermorde und die Hinrichtung des berüchtigten Wilddiebes Johann Wagebach die öffentliche Aufmerksamkeit. Verwundete oder getötete Wilderer aus der ärmeren Klasse handelte die Tagespresse zumeist anonym in Kurzmeldungen ab. Wie im Absolutismus plädierte man für Schüsse auch auf fliehende Frevler …
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Siegener Forum

Das Wappen des Fürsten Johann Moritz mit Krone auf einer Scherenschnittdarstellung des Palastes Vrijburg im brasilianischen Recife (unbekannter Künstler, ca. 1642-1652). Rijksmuseum Amsterdam, Nr. NG-1053

Tobias Scheidt M.A. (Universität Siegen):

Unter der Krone des Johann Moritz von Nassau-Siegen: Koloniale Herrschaftsdemonstration und die Entstehung des Siegener Wahrzeichens

In der neuen Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ geht es am Donnerstag, den 27. Februar 2020, um das Siegerländer Identifikationssymbol schlechthin – das so genannte „Krönchen“ auf dem Turm der Nikolaikirche.

Wie kein zweites historisches Symbol steht die goldene Turmbekrönung heute sinnbildlich für Siegen und die gesamte Region. Doch wie ist die Entstehungsgeschichte dieser Ikone? Schon lange vor der Errichtung des städtischen Wahrzeichens im Jahr 1658 bediente sich der Auftraggeber Johann Moritz Fürst zu Nassau-Siegen (1604-1679) einer elaborierten Symbolik, um seinen Herrschaftsanspruch zu demonstrieren. Gestützt auf Illustrationen, Gemälde und weitere Bildquellen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts sucht der Vortrag nach den visuellen Vorläufern des Siegener Krönchens und findet sie in der Regierungszeit des Johann Moritz als Gouverneur der niederländischen Kolonie in Brasilien. Auf diese Weise werden wichtige, bislang unbekannte Bezüge und Verbindungslinien zwischen globaler, kolonialer und regionaler Geschichte herausgestellt. Siegener Forum weiterlesen

Siegener Forum

Professor Dr. Wolfram Pyta (Universität Stuttgart):

Der politische Lebensweg des Paul von Hindenburg

Paul von Hindenburgs (1847-1934) politischer Lebensweg ist Thema eines Vortrags des Stuttgarter Historikers Professor Dr. Wolfram Pyta im Rahmen der Vortragsreihe „Siegener Forum“ am 23. Januar 2020 im KrönchenCenter.

Der als Kriegsheld gefeierte Hindenburg rückte als Reichspräsident der Weimarer Republik erneut in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Die siegreiche Schlacht bei Tannenberg des bereits pensionierten Offiziers gegen das russische Heer während des Ersten Weltkriegs begründete seinen Ruf. Damit war zugleich der Grundstein gelegt, ihn in konservativen Kreisen der Weimarer Republik als Integrationsfigur im zweiten Wahlgang um die Reichspräsidentschaft 1925 ins Rennen zu schicken. Diese Wahl gewann er ebenso wie die von 1932. Seine Amtszeit dauerte insgesamt mehr als acht Jahre, in die auch die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichkanzler am 30. Januar 1933 fiel.

Noch heute ist Hindenburg, der beispielsweise 1933 zum Ehrenbürger der Stadt Siegen und der Stadt Freudenberg ernannt wurde, durch die Bezeichnung von Straßen und Plätzen mit seinem Namen allgegenwärtig. Ob ihm diese Auszeichnung und damit eine Vorbildfunktion im öffentlichen Raum zu Recht zusteht, wird kontrovers diskutiert.

Wolfram Pyta ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität Stuttgart und Direktor der „Forschungsstelle Ludwigsburg“ zur Verbrechensgeschichte des Nationalsozialismus. Seine vielfältigen Forschungen konzentrieren sich zeitlich auf das 19. und 20. Jahrhundert und hier auf die Weimarer Republik. Seine umfassenden Kenntnisse dieses Zeitraums sind ihm sicherlich zugutegekommen bei der Abfassung zweier Biografien, deren Lebensläufe sich vor allem im besagten Zeitraum überschneiden: Hindenburg und Hitler. Daneben beschäftigt sich er sich auch mit der Sportgeschichte, namentlich dem Fußball. Empfehlenswert für alle Siegerländer Dorfgeschichtsschreiber ist sein Buch „Dorfgemeinschaft und Parteipolitik 1918–1933. Die Verschränkung von Milieu und Parteien in den protestantischen Landgebieten Deutschlands in der Weimarer Republik“ (Düsseldorf 1996), aus dem viele Anregungen und Ergebnisse für die lokalen Forschungen zu ziehen sind.

Der Vortrag über Paul von Hindenburg findet statt am Donnerstag, den 23. Januar 2020, um 18.30 Uhr im Vortragsraum des KrönchenCenters, Markt 25, 57072 Siegen (1. Etage). Der Eintritt ist frei!