Die Arbeitsgemeinschaft „Hilfskrankenhaus Fludersbach“, derzeit bestehend aus Geschichtswerkstatt Siegen e.V. und VVN-BdA Siegerland-Wittgenstein, hat ihren Konzeptentwurf für einen Lern- und Gedenkort an der Stelle des ehemaligen Hilfskrankenhaus für Zwangsarbeiter*innen in der Fludersbach in Siegen vorgelegt.
Als im Oktober des Jahres 2023 durch die hiesige Presse bekannt wurde, dass das ehemalige Kauflandgelände in der Fludersbach veräußert wurde und der darauf befindliche Supermarkt einem Neubau weichen sollte, haben sich sofort lokalhistorisch Interessierte zu Wort gemeldet. Sie wiesen darauf hin, dass das aktuelle Gebäude auf den Überresten des ehemaligen Hilfskrankenhauses für NS-Zwangsarbeiter*innen aus der Region errichtet wurde.
Das Aktive Museum Südwestfalen, die Architekturgeschichte der Universität Siegen, die Geschichtswerkstatt Siegen e.V. und die Kreisvereinigung Siegerland-Wittgenstein der VVN-BdA veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung zum Hilfskrankenhaus, die in der Folge das Bodendenkmalamt des LWL auf den Plan rief und zu einer umfassenden Kartografierung der noch vorhandenen Kellerräume führte.Zum Positionspapier: Positionspapier von „Aktives Museum Südwestfalen e.V., Geschichtswerkstatt Siegen e.V., Prof. Dr. phil. Eva von Engelberg, Architekturgeschichte an der Universität Siegen, und VVN-BdA Siegerland-Wittgenstein
Über den Umgang mit diesem historischen Erbe gab und gibt es in der ursprünglichen Vierergruppe unterschiedliche Auffassungen.
Am 20. Juni 2025 führten die Architekturgeschichte der Universität Siegen, die Geschichtswerkstatt Siegen e.V. und die Kreisvereinigung Siegerland-Wittgenstein der VVN-BdA ein ausführliches Gespräch mit Vertreter*innen von Edeka, moderiert vom ehemaligen Bürgermeister Steffen Mues, im Rathaus. Dabei wurde ein Kompromiss erzielt, der Edeka Planungssicherheit geben sollte und gleichzeitig den drei genannten Gruppen Unterstützung bei der Errichtung eines Lern- und Gedenkortes in unmittelbarer Nähe des Standortes des ehemaligen Hilfskrankenhauses zusicherte. Die Gruppen sollten hierzu einen Konzeptentwurf vorlegen.
Die Geschichtswerkstatt Siegen e.V. und die Kreisvereinigung Siegerland-Wittgenstein der VVN-BdA sind diesem nun nachgekommen.Folgende Voraussetzungen waren für uns von zentraler Bedeutung:1. Lernen und Gedenken am historischen Ort als grundlegende Voraussetzung.2. Gedenken, welches der historischen Dimension des Verbrechens gerecht wird – nicht nur das Hilfskrankenhaus, sondern alle Opfer der NS-Zwangsarbeit in der Region sollen berücksichtigt sein.3. Lernen und Gedenken müssen auch ohne die Begleitung durch Personen möglich sein4. Der Friedhof muss als eigenständiges Artefakt unberührt bleiben. Das gewachsene Ensemble darf nicht bebaut werden.
Wir sind uns bewusst, dass es sich hierbei um ein ehrgeiziges Projekt handelt, halten es jedoch für äußerst angemessen und der Mühen wert.
Die Bewältigung dieser Aufgabe kann und darf nicht allein der Stadt Siegen obliegen. Auch der Kreis Siegen-Wittgenstein und seine Kommunen, die allesamt zum Einzugsgebiet des Hilfskrankenhauses gehörten und in denen zahlreiche Menschen zur Zwangsarbeit gezwungen wurden, müssen ebenso eingebunden werden. Es gilt, sowohl die regionalen Betriebe als auch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ um Mitwirkung zu bitten, um dieses wichtige Projekt gemeinsam zu realisieren.
Konzeptentwurf für einen Lern- und Gedenkort „Hilfskrankenhaus Fludersbach“: Thesenpapier und Skizze
Am 01. April 2026 berichtete die Westfalenpost Siegen darüber: Siegens vergessenster Ort: Im Hilfskrankenhaus starben über 200 Menschen
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