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Siegener Forum

Professor Dr. Wolfram Pyta (Universität Stuttgart):

Der politische Lebensweg des Paul von Hindenburg

Paul von Hindenburgs (1847-1934) politischer Lebensweg ist Thema eines Vortrags des Stuttgarter Historikers Professor Dr. Wolfram Pyta im Rahmen der Vortragsreihe „Siegener Forum“ am 23. Januar 2020 im KrönchenCenter.

Der als Kriegsheld gefeierte Hindenburg rückte als Reichspräsident der Weimarer Republik erneut in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Die siegreiche Schlacht bei Tannenberg des bereits pensionierten Offiziers gegen das russische Heer während des Ersten Weltkriegs begründete seinen Ruf. Damit war zugleich der Grundstein gelegt, ihn in konservativen Kreisen der Weimarer Republik als Integrationsfigur im zweiten Wahlgang um die Reichspräsidentschaft 1925 ins Rennen zu schicken. Diese Wahl gewann er ebenso wie die von 1932. Seine Amtszeit dauerte insgesamt mehr als acht Jahre, in die auch die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichkanzler am 30. Januar 1933 fiel.

Noch heute ist Hindenburg, der beispielsweise 1933 zum Ehrenbürger der Stadt Siegen und der Stadt Freudenberg ernannt wurde, durch die Bezeichnung von Straßen und Plätzen mit seinem Namen allgegenwärtig. Ob ihm diese Auszeichnung und damit eine Vorbildfunktion im öffentlichen Raum zu Recht zusteht, wird kontrovers diskutiert.

Wolfram Pyta ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität Stuttgart und Direktor der „Forschungsstelle Ludwigsburg“ zur Verbrechensgeschichte des Nationalsozialismus. Seine vielfältigen Forschungen konzentrieren sich zeitlich auf das 19. und 20. Jahrhundert und hier auf die Weimarer Republik. Seine umfassenden Kenntnisse dieses Zeitraums sind ihm sicherlich zugutegekommen bei der Abfassung zweier Biografien, deren Lebensläufe sich vor allem im besagten Zeitraum überschneiden: Hindenburg und Hitler. Daneben beschäftigt sich er sich auch mit der Sportgeschichte, namentlich dem Fußball. Empfehlenswert für alle Siegerländer Dorfgeschichtsschreiber ist sein Buch „Dorfgemeinschaft und Parteipolitik 1918–1933. Die Verschränkung von Milieu und Parteien in den protestantischen Landgebieten Deutschlands in der Weimarer Republik“ (Düsseldorf 1996), aus dem viele Anregungen und Ergebnisse für die lokalen Forschungen zu ziehen sind.

Der Vortrag über Paul von Hindenburg findet statt am Donnerstag, den 23. Januar 2020, um 18.30 Uhr im Vortragsraum des KrönchenCenters, Markt 25, 57072 Siegen (1. Etage). Der Eintritt ist frei!

Siegener Beiträge 24

Die “Siegener Beiträge” sind mit ihrem 24. Band erschienen. Das neue Jahrbuch der Geschichtswerkstatt Siegen e.V. widmet sich schwerpunktmäßig dem zeitgeschichtlichen Thema “1968” in Siegen. Dabei steht die Zahl lediglich als Chiffre für vielfältige Entwicklungen der 1960er Jahre in Politik und Gesellschaft, wie beispielsweise der Protest gegen den Vietnam-Krieg, die antiautoritäre Bewegung, die sexueller Befreiung oder der Kampf gegen die Notstandsgesetze. Inwieweit der “Geist” von 1968 auch durch Siegen wehte, versucht das Jahrbuch durch drei Artikel von Zeitzeugen einzufangen. Damit soll ein erster Anstoß gegeben werden, ein bislang unbeachtetes Thema der lokalen jüngeren Zeitgeschichte aufzuarbeiten. Siegener Beiträge 24 weiterlesen

Siegener Forum

Nordostansicht auf das Obere Schloss im Jahr 1913. Stadtarchiv Siegen, Bestand 702, Fo 266

Christina Schröder M.A. (Ruhr-Universität Bochum):

Schwanger oder nicht? Das aktive Eingreifen des Herzogtums Westfalen zur Bestätigung der vermuteten Schwangerschaft der Fürstin Leopoldine zu Nassau-Siegen im Jahr 1735

In der kommenden Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ am 5. Dezember 2019 um 18.30 Uhr im Stadtarchiv Siegen wird sich die Bochumer Historikerin Christina Schröder M.A. mit einem handfesten Skandal beschäftigen, der sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Oberen Schloss zutrug und die Justiz des Heiligen Römischen Reiches beschäftigte. Die Rede ist von der fingierten Schwangerschaft der verwitweten Fürstin Leopoldine Ernestine zu Nassau-Siegen, die wenige Wochen nach dem Tod ihres Mannes Franz Hugo Fürst zu Nassau-Siegen im März 1735 behauptete, schwanger zu sein und daraufhin den Wiener Reichshofrat wissen ließ, dass die Erbfolge im katholischen Teil von Nassau-Siegen gesichert sei. Da die Ehe der beiden katholischen Hochadligen bislang kinderlos geblieben war, drohte ihr Landesteil nach dem Tod Leopoldines an die reformierte Linie des Fürstentums Nassau-Siegen zu fallen, während er durch die Geburt eines männlichen Nachkommens in katholischem Besitz geblieben wäre. Siegener Forum weiterlesen

Siegener Forum

Porträt des Autors als junger Mann: Christoph Bode im September 1969, damals einer der Schulsprecher des Jungengymnasiums. Foto: Bode 

50 Jahre Streik am Siegener Lyzeum: Und was machten die Jungs? – Professor Dr. Christoph Bode über den „heißen Herbst“ 1969

Zerschlagt die Macht der Lehrer“. Diese Parole, am 25. August 1969 gesprüht auf die Fassade des Siegener Mädchengymnasium, bildete den Auftakt zum freilich erst zwei Monate später ausbrechenden Streik der Schülerinnen an diesem Bildungsinstitut. Gelesen hat den Spruch auch der damals siebzehnjährige Schüler Christoph Bode – und notiert, so wie er später auch die Ereignisse der turbulenten Oktobertage in seinem Tagebuch schriftlich festgehalten hat. Als Schülersprecher des benachbarten Jungengymnasiums ist er unmittelbarer Zeitzeuge, wenn auch, wie er selbst betont, weniger als Akteur denn als Beobachter. Nun, fünfzig Jahre nach dem bundesweit beachteten Schülerinnenstreik – „neben den Protesten gegen den NPD-Landesparteitag am 16. November 1968 das herausragende politische Ereignis der ‚1968er‘-Zeit in Siegen“ (so Bodes heutige Einschätzung) – schildert der emeritierte Professor für Anglistik an der LMU München, der auch Gastprofessor in Los Angeles und Berkeley, in Peking und Hong Kong war, die spannungsgeladenen Streiktage am Lyzeum aus der Perspektive eines sympathisierenden, aber nicht unkritischen Beobachters, stets spätere Entwicklungen mitreflektierend. Und was machten die Jungs? Wurde auch am Jungengymnasium an Streik gedacht? Wie reagierte der Schulleiter Dr. Frotscher? Was geschah wirklich auf dem Schulhof des Gymnasiums? Grundlage des Berichts bilden neben Originaldokumenten wie Flugblättern, Resolutionen, Textentwürfen und Protokollen natürlich seine Tagebuchaufzeichnungen. Diese ergänzende Perspektive auf eine außergewöhnliche Episode Siegener Stadtgeschichte kann hörbar nachvollzogen werden:

Am 12. Dezember 2019 wird Professor Dr. Christoph Bode, Autor bzw. Herausgeber von 28 Büchern und Verfasser von etwa 100 wissenschaftlichen Artikeln, der auch durch umfangreiche Vortrags- und Poetry reading-Aktivitäten hervorgetreten ist, um 18.30 Uhr im Siegener Stadtarchiv im Rahmen einer Kooperation von Stadtarchiv und Geschichtswerkstatt Siegen e.V. eine auszugsweise Lesung aus seinem spannenden Zeitzeugenbericht halten.

Vollständig zu lesen ist der faszinierend geschriebene Text dann in der neuen Ausgabe der „Siegener Beiträge – Jahrbuch für regionale Geschichte“ der Siegener Geschichtswerkstatt (Erscheinungsdatum Ende November).

Siegener Forum

Die Autorin Erika Mann um 1938 (Vorlage: Dr. Jürgen Nelles)

Dr. Jürgen Nelles, Bonn

Der „weibliche“ Blick auf das Dritte Reich

In der neuen Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ geht es am Donnerstag, den 19. September 2019, um die literarischen Werke deutscher Exil-Autorinnen zwischen 1933 und 1945.

Der bebilderte Vortrag rückte christliche und jüdische Autorinnen in den Mittelpunkt, die bereits vor 1933, in der Weimarer Zeit, schriftstellerische Erfolge feiern konnten, darunter Irmgard Keun („Das kunstseidene Mädchen“), Else Lasker-Schüler („Theben“), Nelly Sachs („Legenden und Erzählungen“), Anna Seghers („Aufstand der Fischer“) oder auch Erika Mann, die Gründerin des berühmten Kabaretts „Die Pfeffermühle“. Die genannten, aber auch einige hier ungenannte, Autorinnen haben zudem nach ihrer Flucht oder Vertreibung aus Nazi-Deutschland in ihrem Exil wichtige lyrische und erzählerische Texte über ihr verlorenes Heimatland geschrieben: Keun („Nach Mitternacht“) ebenso wie Lasker-Schüler („Das blaue Klavier“), Erika Mann („Zehn Millionen Kinder“) oder Anna Seghers („Das siebte Kreuz“). Der „weibliche“ Blick auf das Dritte Reich fördert Erkenntnisse zutage, die im Rahmen der heute (mehr denn je) notwendigen Erinnerungskultur von geradezu aktueller Brisanz und akuter Relevanz zu sein scheinen. 

Der Referent Dr. Jürgen Nelles hat Germanistik, Philosophie und Pädagogik studiert. Nach seiner Promotion mit der Dissertation „Denkspiele der Poesie“ über den Hörspielmacher und Schriftsteller Paul Wühr im Jahr 1990 folgte eine Assistenzzeit an der Fernuniversität Hagen und im Jahr 2000 seine Habilitation an der Universität Bonn mit einer Studie über das Medium Buch in den Romanen des 18. und 19. Jahrhunderts. Zuletzt publizierte er ein umfangreiches Werk über den deutsch-israelischen Dichter und Holocaust-Überlebenden Tuvia Rübner. Dr. Nelles, der für zahlreiche Bildungseinrichtungen und Kulturinstitute als Referent aktiv ist, lebt und lehrt in Bonn.

Der Vortrag findet statt am Donnerstag, den 19. September 2019, um 18.30 Uhr im Gruppenarbeitsraum des Stadtarchivs Siegen, Markt 25, 57072 Siegen (KrönchenCenter, 3. Obergeschoss.). Der Eintrittspreis beträgt 3,00 Euro.

Siegener Forum

Christian Brachthäuser (Stadtarchiv Siegen)

„Inventarium dero Closterbücher so zu Siegen“. Vorlage: Christian Brachthäuser

Inventarium dero Closterbücher so zu Siegen“ – Die verschollene Bibliothek des Siegener Franziskanerklosters

Sie gehören sicherlich zu den unbekannten Kapiteln der spätmittelalterlichen Geschichte und Klosterkultur Siegens: gemeint sind Bibliothek und Lebenswelten der Franziskaner mit ihrer bislang unbekannten Sammlung wertvoller Traktate, Predigttexte, Bibelkommentare und wissenschaftlicher Schriften.

Nur wenige Quellen zur Geschichte der Siegener „Barfüßer“, wie die Mönche wegen ihres strengen Armutsideals auch bezeichnet werden, sind erhalten geblieben. Umso bemerkenswerter erscheint der Fund, den Christian Brachthäuser im Königlich Niederländischen Hausarchiv in Den Haag gemacht hat. In der neuen Ausgabe des „Siegener Forums“ am Donnerstag, den 9. Mai 2019, um 18.30 Uhr im Stadtarchiv Siegen wird das „Inventarium dero Closterbücher so zu Siegen“ erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. „Es handelt sich um ein bislang unausgewertetes Verzeichnis aus dem Jahr 1591. In einer Art Bestandsaufnahme wurden sämtliche Bücher, die sich damals noch im Oberen Schloss befanden, aufgelistet. Ein solches Dokument liefert wertvolle Erkenntnisse über die kirchengeschichtlichen, religiösen und naturphilosophischen Studien der Mönche. Besonders im Hinblick darauf, welche theologischen Inhalte der Siegener Bevölkerung vor der Reformation vermittelt wurden“, so der Mitarbeiter des Stadtarchivs Siegen. Insofern gestattet das Buchinventar aufschlussreiche Einblicke hinter die Kulissen des Siegener Klosters und der geistigen Vitalität zwischen mittelalterlicher Scholastik und frühneuzeitlichem Humanismus. Dies verdient vor allem Erwähnung, weil Siegerländer Heimathistoriker noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts glaubten, die Ordensbrüder hätten vor ihrer Ausweisung aus Siegen im Jahr 1534 den größten Teil ihrer Büchersammlung heimlich, still und leise weggeschafft und daher einen nur unbedeutenden Beitrag zum religiösen Leben in Siegen geleistet. „Genau das Gegenteil aber scheint der Fall gewesen zu sein. Vergleiche mit anderen Konventen legen sogar den Schluss nahe, dass die Franziskaner wegen ihres karitativen Engagements, ihres seelsorgerischen Beistands und ihren volksnahen Predigten auch von der Bevölkerung Siegens sehr geschätzt wurden“, so Brachthäuser. Was aber geschah nach der Inventarisierung der Bücher im Jahr 1591? Wurden sie in Teilen veräußert oder entsorgt?

Der Vortrag erläutert einführend die Gründung des Franziskanerklosters Ende des 15. Jahrhunderts, stellt Aspekte religiöser Buchkultur der damaligen Zeit vor und versucht danach das Schicksal der Siegener Klosterbibliothek nachzuzeichnen.

Die Vortragsreihe „Siegener Forum“ ist eine Kooperation von Volkshochschule und Stadtarchiv Siegen, Geschichtswerkstatt Siegen e.V., Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e.V. und Aktivem Museum Südwestfalen e.V.

Der Vortrag findet statt am Donnerstag, den 9. Mai  2019, um 18.30 Uhr im Gruppenarbeitsraum des Stadtarchivs Siegen, Markt 25, 57072 Siegen (KrönchenCenter, 3. Obergeschoss.). Der Eintrittspreis beträgt 3,00 Euro.

Obersdorf

2018 war für die Geschichtswerkstatt ein besonders produktives Jahr. Es erschienen zwei Jahrbücher „Siegener Beiträge“ und in der Reihe „Studien zur regionalen Geschichte“ der Band 3:

In der gemeinsam von Helga Althaus und Dr. Gerhard W. Göbel herausgegebenen Ortsgeschichte ‚Obersdorf – Zur Sozialgeschichte eines Siegerländer Dorfes von 1700 bis 1930 und zur Geschichte seiner Vereine und Institutionen‘ stellen acht Autoren, alle mit einem engen Verhältnis zu Obersdorf, zahlreiche Facetten dörflichen Lebens in den Mittelpunkt der Betrachtung.

Den Auftakt dieser Ortsgeschichte bildet ein kurzes Essay zu Obersdorf und Rödgen, gefolgt von einer ausführlichen Arbeit zur demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinden Obersdorf, Rinsdorf und Eisern von 1700 bis 1930, eingebettet in die Wirtschaftsgeschichte des Siegerlandes. In weiteren Aufsätzen werden der DRK-Ortsverein, die freiwillige Feuerwehr, Fußball- und Turnverein, Heimatverein, CVJM und Posaunenchor in ihren geschichtlichen Entwicklungen vorgestellt. Beiträge zur Kindergarten-, Schul- und Kirchengeschichte ergänzen das Bild. Abgerundet wird das Ganze durch die Illustration des alltäglichen Lebens unserer Vorfahren und die Vorstellung besonderer Ereignisse im Dorf mit mehr als 300 Bildern, Plänen und Grafiken auf über 300 Seiten.

Das Buch kann zum Preis von 29,50 € erworben werden. Bestellungen sind bei Helga Althaus (0271-3937655), Dr. Gerhard W. Göbel (02745 -8540) oder unter https://www.drgerhardgoebel.de/kontakt/ möglich. In die Hand nehmen kann man das Buch bei den genannten Herausgebern oder im Stadtarchiv. Leseproben finden sich unter https://www.drgerhardgoebel.de/leseproben/.

Siegener Forum

Dr. Jürgen Nelles, Bonn:

Der Krimi im Dritten Reich – zwischen Subversion und Stabilisation

In der neuen Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ geht es am Donnerstag, den 21. März 2019, um ein vielbeachtetes und keineswegs nur literarisches Thema:  Über die Bedeutung des Genres Kriminalliteratur im Nationalsozialismus.

Privatdozent Dr. Jürgen Nelles (Vorlage Nelles)

Der Vortrag zeichnet die Entwicklung des Krimis von etwa 1930 bis 1945 nach und beschreibt, wie die Nationalsozialisten der damals schon beliebten Literaturgattung zunächst nur wenig Beachtung geschenkt, dann für ihre (Propaganda-)Zwecke funktionalisiert und Krimi-Autoren schließlich instrumentalisiert haben.

Demzufolge wandelten sich im Laufe des Dritten Reiches die einschlägigen Motive, Themen und Figuren – besonders die Funktionen der jeweiligen Ermittler, Verdächtigen und „Verbrecher“. Der mit vielen historischen Fotos bebilderte Vortrag führt vor Augen, wie die damaligen politischen, sozialen und kulturellen Verhältnisse während der Nazi-Diktatur in Krimis präsentiert, ignoriert oder interpretiert, mitunter auch parodiert wurden.
Besprochen werden Kriminal- und Lebensgeschichten von zum Teil heute populären, aber auch unbekannteren Autoren wie Erich Kästner, Gerhart Hauptmann, Hermann Freyberg, Ernst Haffner, Robert Adolf Stemmle und anderen.

Der Referent Dr. Jürgen Nelles hat Germanistik, Philosophie und Pädagogik studiert. Nach seiner Promotion mit der Dissertation „Denkspiele der Poesie“ über den Hörspielmacher und Schriftsteller Paul Wühr im Jahr 1990 folgte eine Assistenzzeit an der Fernuniversität Hagen und im Jahr 2000 seine Habilitation an der Universität Bonn mit einer Studie über das Medium Buch in den Romanen des 18. und 19. Jahrhunderts. Zuletzt publizierte er ein umfangreiches Werk über den deutsch-israelischen Dichter und Holocaust-Überlebenden Tuvia Rübner. Dr. Nelles, der für zahlreiche Bildungseinrichtungen und Kulturinstitute als Referent aktiv ist, lebt und lehrt in Bonn.

Der Vortrag findet statt am Donnerstag, den 21. März 2019, um 18.30 Uhr im Gruppenarbeitsraum des Stadtarchivs Siegen, Markt 25, 57072 Siegen (KrönchenCenter, 3. Obergeschoss.). Der Eintrittspreis beträgt 3,00 Euro.

Siegener Forum

Klemens Mehrer (Siegen)

Blick in ein düsteres Kapitel: Erinnerungen an den 1991 beendeten NS-Prozess gegen SS-Rottenführer Ernst-August König in Siegen

In der neuen Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ wird Oberstaatsanwalt i.R. Klemens Mehrer am Donnerstag, den 17. Januar 2019, um 18.30 Uhr im Stadtarchiv Siegen an das einzige Verfahren vor einem deutschen Strafgericht erinnern, das die Verfolgung und Vernichtung von Sinti und Roma durch das Naziregime behandelte.

Angeklagt bei dem Verfahren in Siegen war der ehemalige Blockführer des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau und SS-Rottenführer Ernst-August König. Ihm wurde vorgeworfen, aus eigener Initiative sechs Menschen ermordet zu haben und am Tod weiterer Lagerinsassen beteiligt gewesen zu sein. Das Verfahren endete zwar mit einer Verurteilung zu lebenslanger Haftstrafe wegen Tötungsverbrechen in drei Fällen. Der Hauptangeklagte entzog sich durch Suizid am 18. September 1991 jedoch dem Urteil.

Über den Prozessverlauf berichtet Oberstaatsanwalt i.R. Klemens Mehrer, der an dem Verfahren als Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft teilgenommen hatte.

Die Vortragsreihe „Siegener Forum“ ist eine Kooperation von Volkshochschule und Stadtarchiv Siegen, Geschichtswerkstatt Siegen e.V., Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e.V. und Aktivem Museum Südwestfalen e.V. Die Reihe stellt im monatlichen Wechsel neuere Forschungen aus dem Spektrum der regionalen Geschichte vor, ist aber auch offen für aktuelle allgemeinhistorische Beiträge.

Der Vortrag findet statt am Donnerstag, den 17. Januar  2019, um 18.30 Uhr im Gruppenarbeitsraum des Stadtarchivs Siegen, Markt 25, 57072 Siegen (KrönchenCenter, 3. Obergeschoss.). Der Eintrittspreis beträgt 3,00 Euro.

Siegener Beiträge 23, 2018

Mit der Veröffentlichung der neuen „Siegener Beiträge“ Nr. 23/2018 betritt die Geschichtswerkstatt Siegen e.V. Neuland. Erstmalig in ihrer Vereinsgeschichte legen die Herausgeber Dr. Bernd D. Plaum, Siegens Stadtarchivar Ludwig Burwitz und Christian Brachthäuser ein zweites, reich bebildertes und gewohnt fundiertes Jahrbuch in einem Kalenderjahr vor.

Geschichtsinteressierte können sich diesmal über eine spannende Auswahl an Stationen und Akteure (nicht nur) regional bedeutsamer Ereignisse freuen, die die Jahresendungen 68 in den Fokus nehmen. 1568 markiert den Ausbruch des niederländischen Unabhängigkeitskampfes unter Wilhelm I. von Oranien. Der Burgenhistoriker Olaf Wagener M.A. beleuchtet die besondere Rolle des nassauischen Siegerlands für den „Achtzigjährigen Krieg“, der 1648 in der Unabhängigkeit der Niederlande münden sollte. Am 22. März 1868 vermachte der Sozialreformer Leonhard Gläser der Siegener Stadtverwaltung testamentarisch ein großes Vereinsgelände unter der Bedingung, die Grünanlage nebst den darauf befindlichen Immobilien und einer Bargeldsumme im Sinne des 1851 von ihm gegründeten Bürgervereins „Eintracht“ zu verwalten. Christian Brachthäuser zeichnet anhand neuer Quellen zum 150-jährigen Jubiläum kritisch die Entwicklung der Gläser-Stiftung und die vermeintliche Zweckerfüllung mit dem Bau der Siegerlandhalle nach. 1918 bedeutete das Ende des Ersten Weltkriegs. Ludwig Burwitz erläutert die Sichtweisen eines aus Kiel stammenden Krankenpflegers, der während der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ im Siegener Kaisergartenlazarett tätig war und zahlreiche Postkarten hinterließ, die wertvolle Rückschlüsse auf das zivile Leben an der Siegener Heimatfront zulassen. Die gesellschaftspolitischen Ereignisse 1968, bildlich festgehalten während des Landesparteitags der rechtsextremen NPD in der Siegerlandhalle und wütenden Leserbriefen in der Tagespresse, bilden ein weiteres Themenfeld in dem neuen Jahrbuch. Siegener Beiträge 23, 2018 weiterlesen