Archiv für den Monat: Februar 2018

Fundstück: Integration durch Karneval?

Bürgergesellschaft, Stadtarchiv Siegen, Bestand Fotosammlung

1912 beging der Siegener Bezirksverein des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) in der Karnevalszeit sein alljährliches «Winterfest» in der Bürgergesellschaft in Siegen. Bemerkenswert daran waren die Vorgaben, die den Mitgliedern und ihren Angehörigen zu diesem Fest gemacht wurden. In der Rahmenhandlung eines Jahrmarktes sollten die teilnehmenden Damen und Herren vornehmlich in Siegerländer Trachten wie Bauer und Bäuerin, Handwerker oder Berg- und Hüttenmann erscheinen. Ihnen stand es aber auch frei als Sommerfrischler, als Künstler und Wandervogel, als Student oder Urlauber an dem Siegener «Jahrmarkt» teilzunehmen.

Siegener Zeitung v. 3.2.1912

Was bewog den VDI dazu, diese Vorgaben zu machen, um für die Teilnehmer «Amüsement» und «fröhliche Srunden» zu erzielen. Verband der VDI damit für seine zumeist zugereisten Mitglieder zugleich das hintersinnige Ziel, sich den aus ihrer Sicht «exotischen Einheimischen» auf «spielerische» Weise anzunähern. Schlüpften die Teilnehmer durch Verkleidung in eine für sie fremde Rolle und lebten sie diese für einige Stunden auf dem Feste aus? Oder bestand das «Amüsement» gerade darin, die kulturellen Unterschiede zwischen «Siegerländern» und dem als solchen verkleideten Zugereisten noch stärker zu betonen und die Differenzen hervorzuheben?

Antworten auf diese Fragen werden wir wohl nie erhalten. Die Geschichte des VDI ist lückenhaft und nur durch wenige eigene Quellen belegbar. Vielleicht gibt es neben den Zeitungsmeldungen mit den Ankündigungen zu den offiziellen Veranstaltungen wie Jahresversammlungen und Vorträgen oder den Stiftungs- und sonstigen Festen (s.o.) noch private Aufzeichnungen, die bislang für eine Geschichte des VDI nicht genutzt worden sind. Derartige alljährliche festliche Aktivitäten waren stets neben den «offiziellen» Vereinsterminen integrale Bestandteile des Vereinslebens und damit der Geschichte des VDI.

Bernd D. Plaum

Siegener Forum

Die Brüder Wilhelms I. von Oranien, die Grafen Johann VI., Ludwig, Adolf und Heinrich, um 1633-35 (Rijksmuseum Amsterdam)

Prof. Dr. Holger Thomas Gräf (Marburg):

Ins Bild gesetzt – Porträts und ihre Bedeutung für Dynastie und Politik der Oranier

Einem besonderen kunsthistorischen Thema wird sich die neue Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ am Donnerstag, den 15. Februar 2018, widmen. Professor Holger Th. Gräf (Marburg) wird dann um 18.30 Uhr im Stadtarchiv Siegen die Bedeutung von Porträtgemälden für Dynastie und Politik der Oranier untersuchen.

Nach wie vor dienen zeitgenössische Porträts den Historikern meist dazu, ihren Protagonisten im Wortsinne „ein Gesicht zu geben“. Das heißt, ihnen wird in der Geschichtsschreibung lediglich eine eher illustrierende Rolle eingeräumt. In der kunsthistorischen Forschung werden hingegen der Entstehungszusammenhang, die Auftraggeber, die Einordnung in die jeweils zeitüblichen Darstellungskonventionen und gegebenenfalls auch die ursprüngliche Zurschaustellung der Gemälde in Schlössern oder öffentlichen Gebäuden und damit ihre repräsentative Funktion stärker berücksichtigt. Hier nun setzt der Vortrag an. Anhand unterschiedlicher Porträttypen (Herrscher- bzw. Staatsporträts, Gruppenporträts, Militär- und Feldherrnporträts, Reiterporträts und exotische Porträts) wird deren zeitspezifischer Entstehungszusammenhang und ihre daraus resultierende Funktion für die Dynastie und Politik der Oranier in den Niederlanden und den nassauischen Grafschaften dargestellt. Siegener Forum weiterlesen