Siegener Forum

In Saßmannshausen erlebte die Sozietät der Eva von Buttlar zu Beginn des 18. Jahrhunderts ihre Hochphase. Undatierte Ansichtskarte um 1916 (Vorlage: Dr. Ulf Lückel)

Dr. Ulf Lückel (Marburg):

Die Gesellschaft der Eva von Buttlar und ihr Gefolge.

Eine extrem gelebte Sonderform des radikalen Pietismus – eine Spurensuche im 18. Jahrhundert

In der neuen Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ beleuchtet der Kirchenhistoriker Dr. Ulf Lückel am 15. November 2018 um 18.30 Uhr im Stadtarchiv Siegen eine ganz besondere Ausprägung des radikalen Pietismus.

Um die Sozietät der Eva Margaretha von Buttlar (1670-1721) ranken sich wohl die meisten wilden Fantasien, Spekulationen und letztlich unreflektierte Fehleinschätzungen über eine religiöse Gemeinschaft im 18. Jahrhundert. Obschon die Gruppe um Eva von Buttlar für nur knapp zwei Jahre in Wittgenstein ihren Aufenthalts- und Wirkungsort hatte, wird sie auch heute noch in aller Regel mit ihren sexuellen Ausschweifungen in Verbindung gebracht. Schon vor rund drei Jahrhunderten beobachtete die Bevölkerung das Treiben unverheiratet zusammenlebender Personen beiderlei Geschlechts, die den Liebeskuss und freie Liebe praktizierten, mit großem Argwohn. Denn in der im Volksmund abschätzig „Buttlarsche Rotte“ bezeichneten Gruppe galt der promiskuitive Verkehr mit „Mutter Eva“ als reinigend. Viele dem Pietismus verbundene Personen möchten die Geschehnisse um sie daher am liebsten verschweigen, doch diese religiöse Ausprägung kann und darf aus kirchen- und regionalgeschichtlicher Sicht nicht einfach ignoriert werden, wie Dr. theol. Ulf Lückel von der Philipps-Universität Marburg an diesem Abend erläutern wird. Siegener Forum weiterlesen

Siegener Beiträge

Titelbild der Siegener Beiträge 22, 2017-18

Das neue Jahrbuch der Geschichtswerkstatt Siegen e.V. ist erschienen. Auf über 250 Seiten erwarten Sie neben Beiträgen zur Geschichte des Oberen Schlosses, zur Reformation und zur Kriegsschule, zum Vaterländischen Frauenverein, zur Delikatessenhandlung Melchior und zur Siegener Universität auch ein Beitrag zur Archäologie in der Zeitgeschichte. Eine notwendige Korrektur zu den „Kreisgründungen“ und Rezensionen runden den Band ab. Wir wünschen anregende Lektüre und Unterhaltung.

Siegener Forum

Dr. Georg Ufer (1900-1989) während des Zweiten Weltkriegs. Vorlage: Dr. Thomas A. Bartolosch

Dr. Thomas Bartolosch (Betzdorf)

Dr. Georg Ufer (1900-1989) – ein Geologe des Siegerländer Erzbergbaus als einer der „Gerechten unter den Völkern“ in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem

In einer biografischen Annäherung zeichnet Dr. Thomas Bartolosch das Leben des Geologen Dr. Georg Ufer nach. Dieser war während des Zweiten Weltkrieges als Lagerstättenkundler für die Firma Krupp sowie als technischer Kriegsverwaltungsrat für die Wehrmacht auf dem Balkan tätig. Dort rettete Ufer dem französischen Juden Josef Pozwolski das Leben, indem er ihn in den Jahren 1941 und 1942 zweimal vor dem Zugriff nationalsozialistischer Häscher schützte und ihn ins rettende Albanien brachte, wo dieser den Zweiten Weltkrieg überlebte. Für seine riskante Rettung Pozwolskis, die Georg Ufer das Leben hätte kosten können, wurde er 1980 von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt. In Israel durfte er am 12. Dezember 1980 in der „Allee der Gerechten“ der Holocaust-Gedenkstätte ein Johannisbrot-Bäumchen pflanzen, an dem ein Schild mit seinem Namen hängt. Außer der genannten Ehrung wurde Georg Ufer im Jahr 1981 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Nach seinem Tod am 27. August 1989 wurde sein Name posthum auf einer Gedenktafel verewigt, die sich im Holocaust-Memorial-Center in Washington befindet. Siegener Forum weiterlesen

Siegener Forum

Protestkundgebung in Holzhausen am 12. August 1932 während der Beisetzung des ersten Opfers des nationalsozialistischen Terrors im Siegerland. Der Sozialdemokrat Siegfried Betz war am 25. Juli 1932 von der SA angeschossen worden und erlag am 8. August 1932 seinen Verletzungen (Vorlage: Heimatverein Holzhausen).

Dr. Ulrich F. Opfermann / Torsten Thomas:

Widerspruch und Widerstand im Nationalsozialismus“

Mit einem zeitgeschichtlichen Thema setzt sich die nächste Veranstaltung der Vortragsreihe „Siegener Forum“ am Donnerstag, den 19. April 2018, um 18.30 Uhr im Siegener KrönchenCenter auseinander. Der Regionalhistoriker Dr. Ulrich F. Opfermann wird dann zusam-men mit Torsten Thomas ein Internet-projekt vorstellen, das die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Siegerland-Wittgenstein erstellt hat. Siegener Forum weiterlesen

Siegener Forum

Dr. Jürgen Nelles, Bonn:

Das „Dritte Reich“ im Kriminalroman der Gegenwart

In der neuen Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ geht es am Donnerstag, den 15. März 2018, um ein viel beachtetes und keineswegs nur literarisches Thema: Das „Dritte Reich“ im Kriminalroman der Gegenwart.

So stehen die Aufklärung von Verbrechen und die Aufarbeitung von Vergangenheit im Mittelpunkt der ebenso erfolgreichen wie spannenden Kriminalromane von deutschsprachigen Autorinnen und Autoren wie Frank Goldammer, Volker Kutscher und Ferdinand von Schirach, aber auch des Briten Philip Kerr, des Polen Marek Krajewski oder der französischen Schriftstellerin Dominique Manotti.
Die von den Schriftstellern dargestellten – authentischen oder fiktiven – Kriminalfälle spielen zwischen 1930 und 1945 vor dem Hintergrund der damaligen politischen, sozialen und kulturellen Verhältnisse. Der mit vielen Fotografien bebilderte Vortrag von Dr. Jürgen Nelles zeigt, wie in der Gegenwart ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte in einem populären Genre verarbeitet und aufgearbeitet wird.
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Fundstück: Integration durch Karneval?

Bürgergesellschaft, Stadtarchiv Siegen, Bestand Fotosammlung

1912 beging der Siegener Bezirksverein des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) in der Karnevalszeit sein alljährliches «Winterfest» in der Bürgergesellschaft in Siegen. Bemerkenswert daran waren die Vorgaben, die den Mitgliedern und ihren Angehörigen zu diesem Fest gemacht wurden. In der Rahmenhandlung eines Jahrmarktes sollten die teilnehmenden Damen und Herren vornehmlich in Siegerländer Trachten wie Bauer und Bäuerin, Handwerker oder Berg- und Hüttenmann erscheinen. Ihnen stand es aber auch frei als Sommerfrischler, als Künstler und Wandervogel, als Student oder Urlauber an dem Siegener «Jahrmarkt» teilzunehmen.

Siegener Zeitung v. 3.2.1912

Was bewog den VDI dazu, diese Vorgaben zu machen, um für die Teilnehmer «Amüsement» und «fröhliche Srunden» zu erzielen. Verband der VDI damit für seine zumeist zugereisten Mitglieder zugleich das hintersinnige Ziel, sich den aus ihrer Sicht «exotischen Einheimischen» auf «spielerische» Weise anzunähern. Schlüpften die Teilnehmer durch Verkleidung in eine für sie fremde Rolle und lebten sie diese für einige Stunden auf dem Feste aus? Oder bestand das «Amüsement» gerade darin, die kulturellen Unterschiede zwischen «Siegerländern» und dem als solchen verkleideten Zugereisten noch stärker zu betonen und die Differenzen hervorzuheben?

Antworten auf diese Fragen werden wir wohl nie erhalten. Die Geschichte des VDI ist lückenhaft und nur durch wenige eigene Quellen belegbar. Vielleicht gibt es neben den Zeitungsmeldungen mit den Ankündigungen zu den offiziellen Veranstaltungen wie Jahresversammlungen und Vorträgen oder den Stiftungs- und sonstigen Festen (s.o.) noch private Aufzeichnungen, die bislang für eine Geschichte des VDI nicht genutzt worden sind. Derartige alljährliche festliche Aktivitäten waren stets neben den «offiziellen» Vereinsterminen integrale Bestandteile des Vereinslebens und damit der Geschichte des VDI.

Bernd D. Plaum

Siegener Forum

Die Brüder Wilhelms I. von Oranien, die Grafen Johann VI., Ludwig, Adolf und Heinrich, um 1633-35 (Rijksmuseum Amsterdam)

Prof. Dr. Holger Thomas Gräf (Marburg):

Ins Bild gesetzt – Porträts und ihre Bedeutung für Dynastie und Politik der Oranier

Einem besonderen kunsthistorischen Thema wird sich die neue Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ am Donnerstag, den 15. Februar 2018, widmen. Professor Holger Th. Gräf (Marburg) wird dann um 18.30 Uhr im Stadtarchiv Siegen die Bedeutung von Porträtgemälden für Dynastie und Politik der Oranier untersuchen.

Nach wie vor dienen zeitgenössische Porträts den Historikern meist dazu, ihren Protagonisten im Wortsinne „ein Gesicht zu geben“. Das heißt, ihnen wird in der Geschichtsschreibung lediglich eine eher illustrierende Rolle eingeräumt. In der kunsthistorischen Forschung werden hingegen der Entstehungszusammenhang, die Auftraggeber, die Einordnung in die jeweils zeitüblichen Darstellungskonventionen und gegebenenfalls auch die ursprüngliche Zurschaustellung der Gemälde in Schlössern oder öffentlichen Gebäuden und damit ihre repräsentative Funktion stärker berücksichtigt. Hier nun setzt der Vortrag an. Anhand unterschiedlicher Porträttypen (Herrscher- bzw. Staatsporträts, Gruppenporträts, Militär- und Feldherrnporträts, Reiterporträts und exotische Porträts) wird deren zeitspezifischer Entstehungszusammenhang und ihre daraus resultierende Funktion für die Dynastie und Politik der Oranier in den Niederlanden und den nassauischen Grafschaften dargestellt. Siegener Forum weiterlesen

Fundstück: „Der Sieg der Moral“

Quelle: Jugend – Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben, 7. Jg. 1902, S. 891

Die Zeitschrift »Jugend« erschien von 1896 bis 1940 in München und gab einer ganzen künstlerischen und gewerblichen Stilrichtung nicht nur den Namen „Jugendstil“, sie bot auch zahlreichen Künstlern und Schriftstellern eine Plattform, wobei die Texte sich vielfach kritisch und satirisch mit den Zeitströmungen wie z.B. dem Muckertum auseinandersetzten. Wie das konkret ausfiel, lässt sich am obigen Beispiel aus Siegen ablesen: Zunächst im Wortlaut die Meldung zu der Stellung bezogen wird, anschließend die Kommentierung, die hier in Versform vorgebracht wird.
Über den Verfasser des Gedichts »Der Sieg der Moral« ist folgendes bekannt. Das Namenskürzel A.D.N. steht für den Künstlernamen A. De Nora. Dahinter verbirgt sich wiederum Anton Alfred Noder, der mit über 1000 Beiträgen in der Zeitschrift »Jugend« vertreten ist und mit zu den Hauptautoren der Zeitschrift bis ca. 1930 zählte.
Anton Alfred Noder wurde am 29. Juli 1864 in München geboren und starb am 7. Mai 1936. Nach dem Besuch der Schule studierte Noder in München Medizin und promovierte in dem Fach, ließ sich zunächst als Arzt in Türkheim nieder, ab 1910 praktizierte er in München. Seit 1896 betätigte sich Noder zunehmend schriftstellerisch. Neben Gedichten und Novellen verfasste er auch Romane und seine Lebenserinnerungen.

B.D.Plaum

Literatur:
Zur Zeitschrift:
Maria Effinger, Jugend – Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben – digital, http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/fachinfo/www/kunst/digilit/artjournals/jugend.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Jugend_(Zeitschrift)
http://www.jugend-wochenschrift.de/index.php?id=25 (Digitalisat)
Zur Person:
https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Noder
http://bruemmer.staatsbibliothek-berlin.de/nlbruemmer/autorenregister/transkription.php?id=39&page=1

Literatur

Zwischen Fronterlebnis und Krankenfürsorge“

Christian Brachthäuser vom Stadtarchiv Siegen legt mit „Zwischen Fronterlebnis und Krankenfürsorge“ sein neues Buch über Krankenpflege und Heeressanitätsdienst während des Ersten Weltkriegs vor. In der vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) geförderten Studie werden die Schrecken an Bord eines vom Roten Kreuz ausgestatteten Vereinslazarettzugs zwischen 1915 und 1918 dokumentiert. Bei dem Buch handelt sich um den neunten Sonderband der von der Geschichtswerkstatt Siegen e.V. veröffentlichten „Siegener Beiträge“. Literatur weiterlesen