Archiv für den Monat: Februar 2020

Literatur

Heimliche Jagd
Historische Waldkonflikte: Zwei Neuerscheinungen zur Wilderei für die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe

Über Jahrhunderte wurde aufgrund exklusiver Jagd- und Forstprivilegien ein „Krieg im Wald“ ausgetragen. In vielen Phasen der Geschichte gehörten Wilderei und Holzfrevel zum Alltag. Mit Harmonie, Idylle und Romantik hatte das wenig zu tun. Es flossen Blut und viele Tränen. Zwei neue Bücher erhellen historische Waldkonflikte für das Gebiet der benachbarten Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe. Amtliche Dokumente, Zeitungsberichte, Forschungsarbeiten, heimatkundliche Texte und Hinweise auf noch unbearbeitete Quellen vermitteln den Rahmen für eine Gesamtdarstellung der Auseinandersetzungen eines halben Jahrtausends.
Die wittgensteinischen Landesherren beanspruchten für sich ein Monopol auf Waldbesitz und Jagdausübung. Doch die bäuerlichen Untertanen wollten mitnichten nur Frondienste für den adeligen Jagdkult leisten und erprobten lange vor der 1848er Revolution den Aufstand. Zuletzt erregten brutale Förstermorde und die Hinrichtung des berüchtigten Wilddiebes Johann Wagebach die öffentliche Aufmerksamkeit. Verwundete oder getötete Wilderer aus der ärmeren Klasse handelte die Tagespresse zumeist anonym in Kurzmeldungen ab. Wie im Absolutismus plädierte man für Schüsse auch auf fliehende Frevler …
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Siegener Forum

Das Wappen des Fürsten Johann Moritz mit Krone auf einer Scherenschnittdarstellung des Palastes Vrijburg im brasilianischen Recife (unbekannter Künstler, ca. 1642-1652). Rijksmuseum Amsterdam, Nr. NG-1053

Tobias Scheidt M.A. (Universität Siegen):

Unter der Krone des Johann Moritz von Nassau-Siegen: Koloniale Herrschaftsdemonstration und die Entstehung des Siegener Wahrzeichens

In der neuen Ausgabe der Vortragsreihe „Siegener Forum“ geht es am Donnerstag, den 27. Februar 2020, um das Siegerländer Identifikationssymbol schlechthin – das so genannte „Krönchen“ auf dem Turm der Nikolaikirche.

Wie kein zweites historisches Symbol steht die goldene Turmbekrönung heute sinnbildlich für Siegen und die gesamte Region. Doch wie ist die Entstehungsgeschichte dieser Ikone? Schon lange vor der Errichtung des städtischen Wahrzeichens im Jahr 1658 bediente sich der Auftraggeber Johann Moritz Fürst zu Nassau-Siegen (1604-1679) einer elaborierten Symbolik, um seinen Herrschaftsanspruch zu demonstrieren. Gestützt auf Illustrationen, Gemälde und weitere Bildquellen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts sucht der Vortrag nach den visuellen Vorläufern des Siegener Krönchens und findet sie in der Regierungszeit des Johann Moritz als Gouverneur der niederländischen Kolonie in Brasilien. Auf diese Weise werden wichtige, bislang unbekannte Bezüge und Verbindungslinien zwischen globaler, kolonialer und regionaler Geschichte herausgestellt. Siegener Forum weiterlesen